Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 23 sdinem Rüdirrientä-Werke hat ihn Reuchlin den größten jüdischen Wortkritiker, den gelehrtesten Grammatiker genannt1). Luther hat sich auf des Nicolus de Lyra, des bedeutenden katholischen Gelehrten, Bibelauslegung gestützt, Nicölaus de Lyra’s Kommentierung aber hing zusammen mit der des großen jüdischen Gelehrten Raschi, der, im Jahre 104Ö zu Troyes in der Champagne geboren, als Lehrer und als schriftstellerischer Erklärer des Talmud und fast der ganzen Bibel ruhmreich geschaffen hat2 3). Das geistige Erbe unserer Väter wirkte fort durch die Jahrhunderte, trotz Folter und Austreibung, trotz Übertritts und Tödtung. Und so befremdet es auch nicht, wenn man liest, daß im Jahre 1529 der reformatörische Prediger Andreas Osiander8), der 1520 in Nürnberg zum Priester geweiht und als Lehrer des Hebräischen im dortigen Augustinerkloster angestellt worden war, vom Rate die Erlaubnis erbat, den Judenschulmeister Wölfflin von Schnaittach korb men zu lassen, um von ihm Chaldäisch zu lernen. Ein bis zweimal im Monate durfte der Erbetene kommen; die Ratserläubnis aber war nötig, denn den Juden war das Betreten Nürnbergs verboten. Qsiärider nun hat auch die Juden gegen die Anschuldigung des Christehblufgebräüches in Schütz genommen4 * * *). 1j » . . . maximus apud hebreos uerborum criticus«, doctissimus grammaticus.« S. 103, 220. 2) »unter Christen und Juden berühmt.« 3) Hugo Barbeck: Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth. 1878. S. 38. Ludwig Geiger : Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland . . . S. 128 und 140. Allgemeine Deutsche Biographie 24. Bd, S. 482, Artikel: Andreas Osiander von W. Möller. 4) Möller a. a. O. S. 482: »Als die Juden im Bisthum Eichstädt im Verdacht des Mordes von Christenkindern zu rituellen Zwecken standen, überreichten sie 1540 dem Bischof ein Büchlein, welches sie gegen diesen Verdacht in Schutz nahm, und dessen (nicht genannter) Verfasser O. war.« Der Titel dieser Schrift lautet (nach dem Osiander Artikel von W. Möller f nnd P. Tschackert, im 14. Bande de 3. Auflage der Realencyklopädie für protestantische Theologie und