Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 21 schiedene Bemannung:. Von Gewicht ist aber auch die Äußerung Reuchlins: die deutschen Juden seien abergläubischer, als die anderen. Er hatte an den auswärtigen Studienorten, an denen wir ihm begegnen, in Paris, Orleans und Poitiers und während mehrerer Aufenthalte in Italien Gelegenheit, fremdländische Juden zu beobachten und über sie urteilen zu hören; sein erster Lehrmeister im Hebraisehen, der kaiserliche Leibarzt Jacob Jechiel Loans (i. J. 1492), war zwar anscheinend von deutscher Geburt, aber sein römischer Lehrer (in den Jahren 1498—1500) Obadja ben Jacob Storno stammte aus Cesena in Mittel-Italien. So sehen wir denn, daß die starke Differenzierung jüdisehen Wesens, die wir heute bei den Juden in verschiedenen Ländern beobachten können, schon damals, als deren Vorfahren ein viel, viel stärkeres Unterschieben zu führen hatten, mindestens schon etwas vorhanden war. Und wer an eine Bestimmung unseres Volkes glaubt, der sollte sich doch dieser Tatsache, die unzweifelhaft Einwirkung durch und Anpassung gegenüber der umgebenden Kulturwelt beweist, nicht verschließen: von einer absoluten Einheit der Juden konnte niemals die Rede sein. Wie hoch Reuchlin seinen ersten Lehrer in der hebräischen Sprache gestellt, daß er ihn wahrhaft herzlich verehrt hat, dessen sind mehrere Äußerungen in den Rudimenta warmfühlige Bekenner. Aus der Seele erklärte er, daß Loans über alles Lob treu ihn unterrichtet habe1); er rühmt seine Gelehrsamkeit2), er gedenkt seiner zweimal mit der innigen Anfügung: »Gottes Barmherzigkeit möge über ihn kommen«3) und er huldigt ihm, gegen den Schluß des Werkes hin, ב.) s. 3. »Is me supra quam dici queat, fideliter literas hebraicas primus edoeuit.« 2) S. 3. ». . . Judeum doctum simul atque literatum;« S. 249. »preceptor meus mea sententia ualde doctus homo Jacobus JefaieL loans hebreus . . .« 8) S. 321 und 619: »misericordia dei ueniai super eum«,