Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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18 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. unserer Nation durchgefochten ■wurden, steht sein Name in dem Verehrungsscheine der Wahrheit und Dankbarkeit. Es ist ־Johannes Reuchlin, der Jurist und Sprachforscher, der Begründer der hebräischen Sprachlehre als Wissenschaft, der NJann, der durch sein Eintreten für die Erhaltung der jüdischen Schriften, deren größten Teil — hur die biblischeo ausgenommen — ein zum Christentum übergetreterier Jude, Johannes Pfefferkorn, durch kaiserliches Gebot den Flammen überliefert haben wollte, jenen Streit entfachte, der in der Geschichte der geistigen Kämpfe als »der Reuchlihsche Streit« gefeiert und erfreulicherweise auch studiert wird. Dieser Streit zog, wie bekannt, bald weite Bahnen, mit vielen Kämpfern, nicht um der schönen Haare der Juden willen1), er ward alsbald ein Kampf um das Recht der freien Forschung gegenüber zelotischer, hauptsächlich von einen! Teile der Dominikaner, zu deren Arbeitsgebiet das Inquisitionswesen gehörte, geübten Knechtung. Durch kair sprliclies Gebot wurde er i,m Jahre 1513 zu Ungunsten Pfefferkorns entschieden, und daß Reuchlin, als schriftstellerischer Verteidiger jüdischer Lehre durch päpstlichen Schlußentscheid späterhin seinen Dominikanergegnern -unterlag, bedeutete damals fast nichts mehr, denn Deutschland stand zur Zeit dieses päpstlichen Endurteils bereits in dem JCarnpfe, den d?r Mönch von Wittenberg mit der innersten Kraft seiner Seele begonnen hatte. Aber für die rückschauende Betrachtung ist es doch von erhebendem Werte, sjch sagen zu dürfen: dieser Kampf *) Johannes Kessler der liebwerte Schweizer reformierte Geistliehe, ein Zeitgenosse Luthers, meinte von den Juden scherzend: Gottes Huld sei ihnen zu Theil geworden nicht, »umb irer huldseligkalt öder wie man spricht umb ires hupscb.en hars wegen«'.. . Johannes KesSler, Sabbata. Chronik dfer Jahre' 1523—1539. Herausgegeben von E. Gözitiger. (Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte von dem hist. Verein in St. Gallen. 1866—68). Thl. i“ S. 39,