Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829821-2846593--36715-2846625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. kenner) nenne man diejenigen, deren Vorfahren Juden gewesen zur Zeit, als vom Re Catholico und der Königin Isabella die Juden aus Spanien vertrieben worden: sie seien Christen geworden, um nicht auswandern zu müssen, und Jeden, der von diesen abstamme, wenn auch nur sein Urgroßvater Jude gewesen und alle seine anderen Vorfahren Christen, nenne man confesso, was ein schimpflicher Name in Spanien sei (che ö nome infame nella Spagna), und er sei nicht allein nicht geachtet, sondern man zeige mit Fingern auf ihn seitens der anderen Spanier, die sich gute Christen dünkten und überzeugt seien, daß sie von. altersher von guten Christen abstammten1). Auch früher schon, sehr bald nach der Austreibung unserer Glaubensgenossen aus Spanien, hat man ihre Gegenwart geradezu als einen Fluch erklärt, der auf einem Lande laste. Marino Sanudc, der Staatssekretär der Republik Venedig, bemerkt in seinen so gewichtigen Aufzeichnungen zur Zeitgeschichte, im Jahre 1495: König Ferdinand von Neapel habe vertriebene Juden aufgenommen und vielleicht deshalb lege Gott ihm gegenwärtig solche beschwerlichen Verhältnisse auf2). Um das Qualvolle der spanisch-jüdischen Verhältnisse in charakteristischer Spiegelung kennen zu lernen, wenden wir uns noch einmal zum Auswanderungsjahre 1492 zurück und lassen uns wiederum von einem christlichen Gewährsmann unterrichten. Es ist Bartolomeo Senarega, der Verfasser einer die Jahre 1488 bis 1514 umfassenden Genueser Geschichte3). Auf den ersten Anblick, so urteilt er, habe die Austreibung das Ansehen einer löblichen Sache *) Relation venetianischer Botschafter über Deutschland und Österreich im sechzehnten Jahrhundert. Herausgegeben von Joseph Fiedler. (Fontes rerum austriacarum... 2. Abt. XXX. Bd. 1870.) S. 35. 2) »Et per haver dato re Ferando recapito nel suo regno, fortasse Iddio li da al presente tal affanni.« 3) De rebus Genuensibus commentaria (in Muratoii: Scriptores rerum italicarum T. XXIV).