Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX, Jahrh, 9 diesen von der Heimatscholle Entwurzelten, die ihrer religiösen Satzung nach für ihren Glauben keine Propaganda machen durften, die Liebe zur geistigen, religiösen Freiheit und die lodernde Leidenschaft, das Regiment der Finsternis und des Wahnes zertrümmern zu helfen, das ihnen deren Betätigung in der Heimat unmöglich gemacht hatte. In Spanien selbst aber trieben diese Elemente ihr Wesen auch gegen diejenigen weiter, deren Vorfahren der Macht der Verhältnisse nicht Stand gehalten und das Bekenntnis zu dem einig-einzigen Gott verlassen hatten gegen das zu Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, verlassen hatten in Seelenstimmungen, die wir nicht schildern können, und über die wir, vom wenigstens religiös ungestörten Besitz aus, nicht aburteilen dürfen. Wie tief nämlich in Spanien die Verachtung aus jüdischem Blut entsprossener Spanier sich fest wurzelte, ersieht man aus dem zusammenfassenden Berichte, der Finalrelation, die der venetianische Botschafter Aloise Mocenigo über seinen Aufenthalt bei Karl dem Fünften in Deutschland im Jahre 1548 seiner Regierung abgestattet hat. Da heißt es: »confessi« (Benicht zu beurteilen. Nur an »getaufte Juden« dachte Johann Karl Seidemann in seinem Aufsatze: Luthers Erinnerungen aus seinem Sprachverkehre mit den Italienern. (Im Archiv für Literaturgeschichte. IV. Bd. (1875) (S. 5—7). — Als auf eine Parallele zu dieser Betätigung von Juden sei auf eine Stelle im Briefwechsel Luthers hingewiesen. Im Jahre 1530 schreibt der Reformator: »Florentini tnisso nunüo Franckfordiae pro 1000 ducatis eum jusseiant libros meos et Florentiam deferri forte ad papae invidiam istic euangelion permissuri. Haec ex Francktordia pro certo scribuntur.« Dr. Martin Luther’s Brief- Wechsel . . . H er atisge geben von . . . C. A. H. Bnrkhardt. 1866. S. 174. — Auf die Angabe Aleander’s bezüglich der Versendung LuthePscher Schriften nach Spanien hat auch Constauim von Höfler: Zur Kritik und Quellenkunde der ersten Regierungsjahre Kaiser Karl’s V. (Denkschriften der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, 25. Bd. 1876). aufmerksam gemacht: aus ihr gienge die Verbindung der Marannen, die bei den Comunerosaufständen heimlich sich betätigten, mit der deutschen Reformbewegung hervor.