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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 117

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1908-01-01
Page
Seite 117 (sequence 6)
Language
German
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Besprechung. 117 des Traktates Abodaji sarah, Herr Paul Krüger, bei jeder sich darr bietepden Gelegenheit die »Sabbatkasuistik« der Rabbinen schürf betont, um ausrpfen?11 können: »Wie frei und groß erscheint Jesus gegenüber solcher Kasuistik!«*) so scheint ihm das erwähnte pharir s gische Prinzip ebensowenig bekannt zu sein wie der pharisäische Satz: »der Sabbat ist euch, nipht aber seid ihr dem Sabbat über־ liefert«* 2 3), was Jesus genau so sagt8) und noch durch »der Menschen־ sohn ist der Herr auch über den Sabbat«4) ausdrückt. Daß Herr Krüger aus Unkenntnis der rabbinischen Lehrsätze gegen die »Sabbatkasuistik« der Rabbinen loszieht, ist noch nicht so unbegreiflich wie das, daß er, um den Rabbinen eins am Zeuge zu flicken, sich sogar über den gesunden Men schenyer st a nd hinwegsetzt. Einem Selbstmordkandidaten darf man doch gewiß keine Waffen und kein Gift verkaufen, demselben Selbstmordkandidaten darf man aber zweifellos einen Rock und einen Laib Brot verkaufen, obwohl zu befürchten wäre, er könnte sich mit dem Rock erdrosseln oder mit dem Brot ersticken. Da aber in der Regel ein Rock nicht ztim Erdrosseln und ein Laib Brot nicht zum Ersticken bestimmt ist, so kann darin, daß man einem, der sich das Leben nehmen will, Kleider und Nahrungsmittel verkaufen darf, der gesunde Menschenverstand unmöglich etwas Unmoralisches finden. Genau dasselbe ist es aber, wenn die Rabbinen einerseits verbieten, den Heiden Opf ergegenstände zu verkaufen und andererseits ges tatt en, den Heiden alle anderen Dinge zu verkaufen, die gewöhnlich nicht als Opfer verwendet werden, und deren Bestimmung auch in den einzelnen Verkaufsfällen dem Verkäufer unbekannt ist5). Der gesunde Menschenverstand kann auch hierin unmöglich eine Unmoral erblicken. Aber Herrn Krüger ist es möglich, zu dieser Mischnahsatzung auszurufen : »Jesuitenmoral!«. Gründliche Kenntnis des Judentums und streng objektive Beurteilung desselben verrät die Bemerkung des Herrn Krüger: »Jedoch kannte auch das Judentum nicht nur die P f 1 i chtdes Menschen- 103 b, ed. Hoffmann S. 160, Joma 85 ar-b; Sabbat 132 a פקלח נפש דוחה את השבת; vgl. Jerusch. Joma VIII, 4 (45 b 19). x) S. 4, Anm. 8, 2) Mechiita 1. c. und 104 a, ed. Hoffm. 1. c.: לבם שבת מסורה ואי אתם מסורין לשבת. Joma 1. c.: היא מסורה בידכם ולא אתם מפורים בידה. 3) Ev. Marc. 2, 27. Neuhebräisch würde der Satz lauten: שבת נעשה בשביל אדם ולא אדם בשביל שבת. 4) Ev. Matth. 12, 8; Ev. Marc. ■2, 28; Ev, Luc. 6,- 5. 5) Aboda sarah I, 5.

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