Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1908-01-01
Page
Seite 115 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829811-2829813-2846435--35981-2846574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechung. 115 blicken zu können. Jesus hat dies religiöse und ethische Gelehrtentum beseitigt und die Menschen wieder hingewiesen auf ihre religiöse und sittliche Selbständigkeit, auf ihren persönlichen Glauben und ihr Gewissen«. Aus dem Traktat Aboda sarah erfahren wir nach Krüger die Wahrheit: »In kultischer Kasuistik liegt der Schwerpunkt der talmudischen Ethik.« Wollten wir nun diese »Wertung der in der jüdischen Literatur vorhandenen Gedanken« einer eingehenden Kritik unterziehen, so müßten wir uns entweder auf eine längere Auseinandersetzung über das Werk des Judentums einlassen oder wenigstens Güdemanns »Jüdische Apologetik« hier noch einmal abdrucken. Das beabsichtigen wir aber durchaus nicht; es handelt sich uns hier hauptsächlich darum, die Übersetzungen und die erklärenden Bemerkungen philologisch und sachlich zu prüfen. Dennoch sehen wir uns aus folgendem Grunde veranlaßt, auf einige Äußerungen der Übersetzer näher einzugehen. Trotz aller Befangenheit stößt man hie und da auf eine Äußerung, die zu der Annahme berechtigt, daß die Verfasser, besonders aber Fiebig, wenigstens die Absicht hatten, zu einem gerechten Urteile zu gelangen1). Daß ihnen dies nicht gelungen ist, hat seine Ursache teils in der Macht der Gewohnheit, die es den Verfassern unmöglich *) Vgl. oben S. 112, vgl. dazu GüdemanH, Jüdische Apologetik, S. 126—156. Zu der Mischnasatzung Berachot IX, 1: »Über Kometen, über Erdbeben, über Blitze, über Donner und über Sturmwinde sagt man : Gepriesen sei, von dessen Kraft und Stärke die Welt voll ist,« bemerkt Fiebig: »Man beachte diesen Zug echter, alter israelitischer Frömmigkeit. Von Furcht ist nicht die Rede, nur von dem Eindruck der Kraft und Stärke Gottes.« In der Vorschrift Berachot IX, 3: »Man spricht den Segenspruch über das Böse nach Art des (Segenspruches über das) Gute und (den Segenspruch) über das Gute nach Art des (Segensspruches über das) Böse,« erkennt Fiebig »eine hohe religiöse Auffassung.« Richtiger freilich wäre diese Bemerkung zum letzten Absatz von IX, 2, wo gesagt wird, daß beim Vernehmen einer Trauerbotschaft zu sprechen ist: Gelobt sei der wahrhaftige Richter. Denn IX, 3 sagt nicht das, was Fiebig meint, sondern: man spricht den Segenspruch über das gegenwärtig Böse, obwohl es später gute Folgen haben wird und umgekehrt, d. h. im ersten Falle: Gelobt sei der wahrhaftige Richter, im zweiten Fälle: Gelobt sei, der gut ist und Gutes tut, wie Babli 60 a erklärt. 8*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.