Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 3)
- Language
- German
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114 Besprechung. des Neuen Testamentes. Besonderes Gewicht habe ich daher auf die Anmerkungen der Übersetzung gelegt, auf die Nachweise der Beziehungen zum Neuen Testament und die Wertung der in der jüdischen Literatur vorhandenen Gedanken«. — Die Beziehungen der jüdischen Literatur zum Neuen Testament nachweisen und die in jener vorhandenen Gedanken werten heißt: das Verhältnis des Christentums zum Judentum darstellen. Von welchem Gesichtspunkte die christlichen Theologen bei dieser Darstellung ausgehen und zu welchem Ergebnis sie gelangen, ist bekannt. Vpraussetzung und Resultat, Ausgangspunkt und Ziel ist: Judentum und Christentum verhalten sich zu einander wie der schwarze Nachthimmel zu dem von ihm sich abhebenden glänzenden Monde, wie die Raupe zu dem aus ihr sich entwickelnden farbenprächtigen Schmetterling. Daß ein Werk von spezi f isc h theo log i s c h - d o g m a~ t i s c h e r Tendenz kein anderes Ergebnis erzielen will und kann, als das der Darstellungen in Werken wis se ns c haftlichk r i t i s che r Marke, ist selbstverständlich. Das Interesse, welches der Traktat Berachoth für den christlichen Theologen und Historiker hat, ist nach Fiebig folgendes: »1. Welche, zwar gut gemeinte, Verkehrung ist doch diese Fülle von Reglementierung de s Gebe tsl eb en s! Die Religion als Sache des Gedächtnisses, der Gelehrsamkeit, nicht des Herzens und der schlichten Einfachheit, so macht man die Menschen religiös unselbständig. 2. Und doch ist diese ausgebreitete Reglementierung sicherlich auch eine Macht der Erziehung. Fromme Sitte hat für viele Menschen tragende und bewahrende Bedeutung. 3. J e s u s hat diesen Geist des Reglernentierens, des Gesetzes gebrochen .... Als der »grosse Unterschied« zwischen dem Mischnatraktat Aboth und dem neuen Testament wird hervorgehoben: »Di e Thor a, das Gesetz, ist für alle diese Juden das Größte: und Herrlichste, was sie kennen. Im Neuen Testament dagegen ist in der Religion wie in der Sittlichkeit nicht mehr die Thora das Höchste, nicht mehr das Studium eines Buches das Wichtigste, sondern Gott selber, der Lebendige, der sich dem Menschen im Innersten bezeugte . . . 2. daß diese jüdische Ethik des Traktats »Sprüche der Väter« trotz aller Betonung der Demut den Geist des Pharisäismus widerspiegelt, d. h. den Geist des Verdienstes und des Belohntwerdens, den Geist des religiösen Gelehrtentums, das sich über das Volk erhebt und meint, auf die des Gesetzes unkundige Masse herab-