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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1908-01-01
Page
Seite 113 (sequence 2)
Language
German
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Besprechung. 113 bemerkt zu werden, daß die Bezeichnung »Scholastik« für die talmudische Literatur unglücklich gewählt ist. Darauf näher einzugehen, ist hier nicht der Ort, da Prospekte nicht Gegenstand der Kritik sind. Ein Unternehmen wie das Fiebigs ist aber auch für das Judentum von großem Interesse. Wenn gebildeten Christen die Möglichkeit geboten wird, die talmudische Literatur aus eigener Lektüre kennen zu lernen und sie so imstande sein werden sich über das Verhältnis dieser Literatur zum Neuen Testament ein selbständiges Urteil zu bilden; wenn sie in der Beurteilung des Judentums im neutestamentlichen Zeitalter nicht auf die fertigen, zum Dogma gewordenen Urteile der christlichen Theologen angewiesen sein werden: dann wird vielleicht eine gerechte Beurteilung des Judentums christlicherseits möglich sein. Die talmudische Literatur hat nicht die geringste Ursache die Öffentlichkeit, die weiteste Öffentlichkeit, zu scheuen; je besser gekannt, desto richtiger gewürdigt kann sie werden. Wir nehmen daher keinen Anstand, die Fiebigschen Mischnaübersetzungen auch jüdischerseits als ein verdienstliches Werk zu bezeichnen, wiewohl das Judentum hier nicht gerechter beurteilt wird als anderswo. Das Verdienst, den Inhalt einiger wichtiger Mischnahtraktate weiteren christlichen Kreisen zugänglich gemacht zu haben, macht einigermaßen den Schaden gut, der durch die falsche Beurteilung angerichtet wird. Daher ist es gerechtfertigt wenn dieses ausschließlich für Christen bestimmtes Werk in einer der jüdischen Wissenschaft gewidmeten Zeitschrift eingehend geprüft wird. Über den Zweck seines Unternehmens, berichtet der Herausgeber in der Einleitung zu der zuerst erschienenen Übersetzung des Traktates Joma: »Ich beabsichtige, eine Reihe von Mischnairaktaten, welche für den Theologen vom besonderem Interesse sind, in billigen, mit Anmerkungen versehenen Übersetzungen in zwangloser Folge darzubieten. Das Interesse, welches mich dabei leitet, ist nicht in erster Linie ein philologisches oder historisches, sondern letztlich ein spezifisch theologisches, wenn man will: dogmatisches oder praktL sches. Es handelt sich dabei um die große Aufgabe, die historischen Überlieferungen von J esus wirklich zu v erstehen und alle nur immer erreichbaren Mittel bequem be reit zu stellen, um dieses Ve rs f ändnis zu f ö r d er n. Es handelt sich um die religiösen und theologischen Anschauungen und Begriffe, welche in der Zeit Jesu lebendig waren, und um die Auseinandersetzung unserer heutigen religiösen und theologischen Gedanken mit denen der Zeit Jesu und Monatsschrift, 52. Jahrgang. 8

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