Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorarbeiten für die badische Judengesetzgebung in den Edikten 1807 - 1809
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 11)
- Language
- German
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76 Die Vorarbeiten für die badische Judengesetzgebung. Loerrach und des Amtes Roetteln, ungehört. Dieses fordert gleiche Vorrechte, wie sie die Christen haben, die doch auch hie und da verarmen, besonders »weil sie die Lebensart nicht ergreifen können, für die sie geeignet Sind«. Wie häufig ist das bei den Juden der Fall, denen so vieles verwehrt ist. Der große Haufen muß unter den Beschränkungen entweder verarmen oder Betrüger werden. Jene vorgeschlagenen Künste bringen kein Brod. Zuerst sollen sie solche Handwerke lernen, bei denen sie ihre Nahrung, finden. Nach dem Vorbild der Krämer, die aufgenommen "werden, ohne Zunftmitglieder zu werden, sollen die Juden überall von der Zunft dispensiert werden. Wenn sie an Arbeit und Zuhausebleiben gewohnt sind, soll ihnen auch der Feldbau gestattet werden. Vorerst möge die Bittschrift ider Loerracher Juden um die Erlaubnis, Krämerei zu treiben und hausieren zu dürfen mit Waren, die der Landmann braucht, Erhörung finden. Bis 1791 bringen die Akten nichts mehr. Am 21. Februar dieses Jahres tritt ein Hofratsmitglied mit einem Gutachten hervorj B a ü m g a e r t n e r, der für die Weiterentwicklung sehr viel geleistet hat, und der als Mitglied der Karlsrühef fürstlichen Polizeideputation sich mit der Regelung der Judenfrage zu befassen hatte. Zuerst steht er vollständig auf dem Standpunkt, daß die große Menge der Juden in der Stadt den schlechten Stand des Handlungs- Wesens, die Armut und Lüderlichkeit der unteren Stände wenn nicht allein, so doch mitverschuldet. Kein Jude im Lande beschäftige sich mit Wissenschaft, Handwerk oder Taglohn, alle nur mit Handel. Dadurch sei dieser verdorben; sie müssen wohlfeile, schlechte Waare, »Babel«, verkaufen, und die zu große Konkurrenz führe zu Betrügereien und Wucher. Es war hart und grausam, daß man früher die Juden fortgejagt hat, umsomehr als der Staat durch ihre Behändlüng die Schuld an all’ dem Schlimmen trage. Die Juden sollen angewiesen werden, solche Handwerke, die