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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 50

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
Josef Kohlers Darstellung des talmudischen Rechtes
Date
1908-01-01
Page
Seite 50 (sequence 14)
Language
German
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50 Josef Köhlers Darstellung des talmudischen Rechtes. schwer zu erkennen. Gleichnisse, sollte man meinen, werden dem Leben, der täglichen Erfahrung entnommen. Zur Zeit R. Meirs hat es aber längst keine jüdischen Königssöhne mehr gegeben1). Wenn aus diesem Gleichnis eine Rechtspflicht abgeleitet werden soll, könnte es besser inbezug auf das rö m i sch e Recht geschehen. In dem Kapitel »Rechtsordnung, Analogieschluß« schreibt Köhler: »Die Analogie ist vollauf gestattet: die ganze Gesetzeskünde besteht aus Vergleichungen, Baba Bäthra S. 1281; nur ist sie nicht zugelassen bezüglich der Strafandrohung: kraft Schlußfolgerung darf man keine Strafe verhängen, Makkoth S, 531- 570«. Das ist nicht richtig. Daß die Analogie bezüglich der Strafandrohung nicht zulässig ist, wird im talmudischen Schrifttum nirgends gesagt, kann auch unmöglich gesagt werden, da in Wirklichkeit nicht bloß die Geißelstrafe, sondern auch die Todesstrafe auf Grund von Analogie- Schlüssen verhängt wird. Die Geißelung des Verleumders seiner Frau und des widerspenstigen Sohnes beim ersten Ungehorsam beruht auf einer Wortanalogie2 3). Und es klingt wie eine Verwahrung gegen die Behauptung Köhlers, wenn es Kerithoth 5a heißt: »Es sagt R. Jannai: die Wortanalogie (rw גמירה soll dir nicht gering erscheinen, denn Piggul?) ist eine wichtige Satzung der Thora und wir erschließen die Karethstrafe 1) Es findet sich auch itn talmudischen Schrifttum nirgends ein Anzeichen dafür, daß man der königücfien F a m i I i e gegenüber zu irgend welcher besonderen Aufmerksamkeit verpflichtet gewesen wäre; mir wenigstens ist eine derartige Stelle nicht bekannt. Dagegen kann auf Sanhedr. 18 b hingewiesen werden, wo es heißt: der Sohn des Königs ist ein einfacher Bürger aiJT.WhJi ב[ מלך. 2) Kethubboth 46a, Sanhedr. 71b, Die betreffende Analogie gehört zu den gekünstelten: WortanalogLen, die im Talmud einige Mai Vorkommen. 3) Lev. XIX, 7.

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