Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Josef Kohlers Darstellung des talmudischen Rechtes
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829813-2846425--35901-2846505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 Josef Köhlers Darstellung des talmudischen Rechtes. Meirs entgegen: »Woraus geht hervor, daß sogar ein Heide, der sich mit der Thora beschäftigt, einem Hohenpriester gleich zu achten ist? Es heißt: »Bewahret meine Satzungen und Rechte, die der Mensch tue, daß er lebe durch sie, ich bin der Ewige«1). Ebenso: »Das ist die Lehre des Menschen, der Herr, der Ewige.« Es wird nicht gesagt: Das ist die Lehre der Priester, Leviten und Israeliten, sondern: Das ist die Lehre des Menschen. Desgleichen steht geschrieben: »Tuet apf die Pforten, daß einziehe das gerechte Volk, das bewahret die Treue«. Daß Priester, Leviten und Israeliten einziehen sollen, wird nicht gesagt, sondern das gerechte Volk usw. Ferner: *»Dies ist die Pforte des Ewigen, Gerechte treten da ein<<. I'fjeht von Priestern, Leviten und Israeliten ist die Rede, sondern von Gerechten. Ebenso: »Jauchzet, Gerechte, in dem Ewigen«. Es wird nicht ge-, sagt: »Jauchzet, ihr Priester, Leviten und Israeliten«, sondern »Jauchzet, Gerechte, in dem Ewigen«. Endlich heißt es: »Erweise Gutes, Ewiger, den Guten und Redlichen in ihren Hgrzen. Nicht den Priestern, Leviten und Israeliten wird Gott gebeten, Gutes zu erweisen, sondern den Guten und Redlichen in ihren Herzen«2 3). Das erscheint geradezu als ejn mit aller Entschiedenheit vprgebrachter Protest gegen die Äußerung R, $• b. Jochais. Auf eine Erklärung dieser Äußerung wollen wir hier nicht eingehen, es darf aber der Wortlaut des Satzes, wie ihn Köhler nach der Gpldschmidtschen Ausgabe zitiert, nicht ungeprüft bleiben: vihr heißt Menschen, die weltlichen Völker aber heißen nicht Menschen, send e r n TI e r e«. Zunächst ist zu konstatieren, daß in den Ausgaben und in der Münchener Handschrift®) die Worte ».sondern Tiere« 1) Baba kamma 38 a, Abodafi sara 3 a, Sanhedr. 59 a, Sifra zu Lev, XVIII, 5. *) Sifra a. a. O. 3)Inbezug auf die Münchener Handschrift bemerkt dies Köhler selbst nachträglich in der Zeitschrift für vergleichende Rechtswissen• schaff, XX, Heft 2.