Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 12)
- Language
- German
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32 Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. es heißt sogar direkt von ihnen, daß sie in dieser Hinsicht Anu gleichen. Z eitli che r Natur aber insofern, als die babylonischen Kalendarären nach den Tierkreisbildern eingeteilt waren, und als, da jedem Tierkreisbild ein Gott entsprach, während der ganzen Zeit, in der die Sonne im diesem Bilde emporstieg, der diesem Bilde entsprechende Gott als summus deus galt. So z. B. war Sin Zwillingsbild der summus deus während des Zwillingszeitalters, ebenso Marduk während des Stierzeitalters, und da schon in den ersten Jahrhunderten des Stierzeitalters Babel, die Stadt Marduks, die Hegemonief über ganz Mesopotamien bekam, so haben die babylonischen Priester, deren ganze Religionswissenschaft ausschließlich Astrologie war, die allumfassende Göttlichkeit Marduks als neuen klaren Beweis für die Wahrheit ihrer Lehre umso nachdrücklicher betont Aus ähnlicher Astralspekulation bestand auch die ägyptische Religionswissenschaft, soweit sie, wie z. B. unter Chun-Aten, dem Monotheismus sich zu nähern suchte. Wie glänzend hebt sich dagegen von diesen unpersönlichen, hinter dem Astralen, als Gelehrtengeheim־ nisse, versteckten monotheistischen Spekulationen, das israelitische klare und lebendige monotheistische Bekenntnis ab, welches der Kardinalpunkt der ganzen Religion und die grundlegendste Wahrheit, ja das tägliche Brod für das gesam te i srael itisch e Volk war. Der babylonische Monotheismus war ein unbewußter, für die babylonische Religion ganz unwichtiger, den Polytheismus nicht nur nicht ausschließender, sondern vielmehr ihn voraussetzender und einschließender, weil eben die Götter astral waren und darum auch die Nebengötter als Teilerscheinungen reichliche Verehrung verdienten. Der israelitische Monotheismus dagegen war eine bewußte grundsätzliche Überwindung des Polytheismus, ein mächtiges, kräftiges, lebendiges Prinzip, das gegen den Polytheismus, als etwas Heidnisches, mit elementarer Gewalt reagierte und