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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 31

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
Date
1908-01-01
Page
Seite 31 (sequence 11)
Language
German
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Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. 31 dies allerdings die edelsten Erzeugnisse heidnischer Religiosität. Allein in bezug auf den Gottesbegriff stellen sich in jedem Psalm Dutzende von Göttern; und Göttinnen; ein,.;-.und wenn auch gelegentlich in dem oder jenem Psalm einmal ein »unbekannter Gott« angebetet wird, so geschieht dies, wie alle diesbezüglichen Stellen beweisen, nur darum, weil der Betende in den über ihn gekommenen Leiden die Strafe für ein kultisches Vergehen sieht, oder weil er, da ihm die Sünde unbekannt geblieben ist und er nicht wissen kann, gegen welchen Gott er sich vergangen habe, selbstverständlich den »unbekannten Gott« um Versöhnung bitten muß. Manchmal trägt denn auch ein solcher Psalm die Aufschrift »Gebet an jeden beliebigen Gott.« Auch wenn in manchen Psalmen die Wendung: »Mein Gott« vorkommt, so ist dies nichts weniger als ein Ausdruck des Monotheismus, denn erstens wird in allen diesen Psalmen ihm ausnahmslos die zugehörige Göttin zugesellt, und ferner werden dabei die andern Götter um Fürsprache bei diesem gebeten. Was aber den ethischen Gehalt dieses babylonischen Sündenbewußtseins betrifft, so ist zu bedenken, daß dort immer das Sündengefühl durch die Erfahrung eines ä ußeren Leides ausgelöst wird und Sündenvergebung nur identisch mit der Wegnahme dieses äußeren Leides ist Eine solche Religiosität hat nicht das mindeste gemein mit der israelitischen, in der ein Psalmist (73, 25 f.) ausruft »Wen habe ich außer dir im Himmel, und nichts will ich neben dir auf der Erde. Wenn auch mein Leib vergeht, so bleibst du mein ewiges Gut.« Die babylonische Priesterreligion war ferner eine ausschließliche Astra 1 religion. Ihr angeblicher Monotheismus ist lediglich räumlicher und zeitlicher Natur. Räumlicher, insofern als der erste der Göttertrias Anu, Bel, Ea manchmal als »Gott« im Allgemeinen bezeichnet wird. Allein erstens heißt er auch dort »Vater der Götter«, und ferner werden Sin und Ninib dieselben Attribute beigelegt, und

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