Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 9)
- Language
- German
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Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre. 2g theologischerseits meist zugesteht, die gegenwärtige Behandlung der isr. Religionsgeschichte, die viel zu einseitig auf dem Entwicklungsgedanken eingestellt sei, in keiner Weise mehr halten läßt. Trotzdem aber hat sich bei ihm andererseits betreffs des Babylonismus der Eindruck nur befestigt, daß die israelitische Religion, trotz manches wertvollen Einschlages aus den übrigen Religionen und trotz ihres wurzelhaften Zusammenhanges mit der höheren religiösen Gedankenwelt innerhalb der altorientalischen Religionen, eine Religion sui generis sei, und daß sie als religiöse Macht immer weit mehr bedeutet habe als alle diese Religionen zusammen. Israel gehört zwar in die altorientalische Kultureinheit als ein organisches Stück hinein. Seine Geschichte, sein kulturelles, geistiges und insbesondere sein literarisches Leben, sein Denken, Fühlen Sinnen und Trachten ist zwar ohne die Berücksichtigung des Kulturzusammenhanges gar nicht zu begreifen. Aber mit seiner Religi0n hat es sich über diese Kultureinheit hinausgehoben und sich zu ihr sogar in einen höchst merkwürdigen Gegensatz gestellt. Er tritt für die neue und doch wieder alte Anschauung ein, daß in der Religionsstiftung des Moses etwas Grundsätzliches, etwas prinzipiell Neues liege, daß darin etwas, das eine Wende in der Geschichte der Religionen bedeute, enthalten sei, und daß sich mit dem mosaischen Gotte eine höhere umfassendere Vorstellung, als die von einem simplen Volksgotte, wie sie dutzendweise existierten, verbinde. Bäntsch macht sich darauf gefaßt, daß das von ihm entworfene Bild von der Kritik als ein bedauerlicher Rückschritt, als eine Preisgebung mühevoll errungener Positionen, als ein Beispiel schlimmster Methodelosigkeit, die sich über alle sichern Resultate der Literarkritik leichtfertig hinwegsetzt, verurteilt werden werde. Er ist aber sicher, gewisse