Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 8)
- Language
- German
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28 Die bibelwisseiischaftliche Literatur der letzten Jahre. exilische Israel als gegen jeden ■.;orientalischen Kultureinfluß abgeschlossen und als dauernd auf der Stufe wilder Beduinen beharrend, vorstellt, eine phantastische Absurdität sei, dazu braucht man wirklich nicht erst ein pan babylonistischer Chauvinist zu sein; denn schon der Tell-el- Amarna-Fund ganz allein ist, wie H. Winckler mit Recht bemerkt, der Tod der Entwicklungstheorie. Daß aber auch der Panbabylonismus, obgleich auf gesicherten zeitgenössischen Dokumenten basierend, durch die völlige Verkennung der qualitativen Eigenart der biblischen Religion seinen baby- Ionischen Günstlingen zuliebe vom geraden Wege weit abgewichen ist, merkt man schon auf den ersten Blick. Eine vernichtende Kritik, wie sie Wellhausen selbst in dem oben (Jahrg. 51, S. 677) zitierten Satze: »warum ist nicht Kamos von Moab zum Gott der Gerechtigkeit usw. geworden?« an seiner eigenen Lehre rücksichtslos übt, wäre auch seitens der Vertreter des Babylonismus gegen ihre eigene Doktrin am Platze. Auch sie hätten sich fragen müssen: warum denn die israelitische Religion, von einem gleichen Anfang ausgehend, zu einem ganz anderen Ergebnis geführt habe als die babylonische? Diese allerernsteste Frage sowohl gegen den Panbabylonismus als auch gegen die Entwickelungstheorie erhebend, hat einen der tüchtigsten wie der eifrigsten Schüler Wellhausens — B. Bäntsch— zum gründlichen, selbständigen Nachdenken angeregt, und die Resultate seiner emsigen Nachforschungen haben ihn genötigt, der evolutionistischen Schule, der er von jeher mit inniger Liebe zugetan gewesen, Valet zu sagen1). Betreffsder Entwicklungstheorie gestellter, daß er einerseits je länger desto mehr den Eindruck gewonnen habe, daß sich bei unserer erweiterten Kenntnis des, alten Orients, dessen Religionen er immer mehr schätzen und würdjgen gelernt habe, und in denen er weit mehr gefunden habe, als man ihnen l) Bäntsch, B., Alt oriental. und israelitischer Monotheismus. 1906;