Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die bibelwissenschaftliche Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
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26 Die bibelwissenschäfüiche Literatur der letzten Jahre. ־elitische war, beweist schon die Tatsache, daß die israelitischen Propheten jedesmal auch in denjenigen Staaten und unter denjenigen Völkern wirkten; von denen Israels Geschicke abhängig waren, so Elias in Tyrus, Elisa in Damaskus; Jona in Ninive usw; Die Propheten Israels waren eben nicht B e g r ü n d e r der bibl. Religion, sondern nur deren Wortführer, daher werden die f a 1sch e n Propheten ebenfalls נביאים genannt, weil sie Wortführer einer anderen Richtung waren. Auch andere Völker hatten ihre Propheten, nur haben wir von ihnen — ist das nicht erstaunlich? — keine Kunde erhalten. Abrahams Herkunft aus Babylon; illustriert die Beziehungen der bibl. R e 3 i g i 0 n zu Babel und nicht diejenigen des israelitischen Volkes. Auch die primitven Verhältnisse und Anschauungen der Araber stellen eine Degradationsstufe da1> aber nicht ihr : ursprüngliches Bild. Wenn im alten Israel Pölydämonismus, Polytheismus u. dgl. nachgewiesen wird, so sind diese ebensowenig Rudimente alter Stufen wie die christliche Trinität ein Rudiment des Urchristentüms ist. Sondern neben der reinen Lehre bildeten sich grobe Völksanschauungen heraus. Auch eine B a u e r h religion k o n n t e im alten Israel nicht entstehen; denn eine solche ist nur bei einem Volke ohne Städte denkbar, da sonst die Lehre von den Städten nach den Dörfern kommt und nicht umgekehrt. Nun hat aber schon Naram-Sin — anfangs des 3. vorchristlichen Jahrtausends — in Palästina große Städte vorgefunden, welche ihm seine Flotte verstärken konnten, und die keilinschriftliehe Korrespondenz, wie sie in Tell-el-Amarna, Tell-Tanach und Tell-Lachi§ zu Tage gefördert wurde, beweist zur Genüge, wie sehr schon das . vorisraelitische Kanaan von babylonischer Kultur und Zivilisation durchtränkt .war; denn die Entwickelung der Schrift eines Volkes durch ein anderes setzt einen überaus regen geistigen Verkehr und einen mächtigen Gedankenaustausch der beiden Völker voraus.