Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829813-2846423--35870-2846476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Satire in der jüdischen Literatur. 17 klängen“, vgl. Steinschneider, Encyklopädie von Ersch und Gruber Band 31, p. 93). Das genannte Buch, in dem allerlei Fabeln, Gleichnisse, pikante Geschichten, Schwänke und Aussprüche jüdischer, griechischer und arabischer Weisen bunt durcheinander verflochten sind, stellt den folgenden Grundgedanken dar: Der Dichter, von einem Dämon Namens Ena n, durch alle Lande geführt, dringt in die Geheimnisse der Menschen ein und lernt die Schlechtigkeit vieler Männer kennen, die nach ihrem äußeren Verhalten als gut gelten, und die Schwächen, mancher Frauen, die im allgemeinen wirklich gut sind. Originell ist der Dichter nicht. Wir begegnen in seinem Buche manchen alten Bekannten, so unter anderem der Erzählung von Tobit und der Satire über die Weibertreue. In dieser Satire erzählt er, wie eine Frau, am frischen Grabe ihres Gatten in die tiefste Trauer versunken, einem Ritter,'der ihr Schmeicheleien sagte, ihre Hand und ihr Herz schenkte und obendrein die Leiche ihres Gatten dadurch schändete, daß sie auf Verlangen des Ritters sie ausgrub und an den Galgen hing an der Stelle eines Mannes, der kurz vorher gehenkt worden war, und dessen Leiche, die der Ritter hätte hüten sollen, gestohlen worden war. Dieses Histörchen ist aus dem Oriente nach dem Abendlande gewandert und daselbst in verschiedener Verkleidung aufgetreten (Steinschn. Hebr. Bibliogr. Bd. XIII, p. 77). Es wird in anderer Form unter dem Titel ״die Matrone von Ephesus“ von dem römischen Satiriker Petronius Arbiter erzählt (66 n. Chr.). Es findet sich auch unter den Fabeln der Marie de France (Wende des 12. und 13. Jahrhunderts) und danach in dem Fabelbuche des B e r a c h j a, genannt C r e s p i n, der.Pu.nk־ tator, der um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Frankreich gelebt hat. Parallelen dazu finden sich häufig in der Weltliteratur. Ich erinnere nur, um ein Beispiel anzuführen, wie die Dichter die Weibertreue persiflierten, an Monatsschrift, 52. Jahrgang. .2