Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Die Satire in der jüdischen Literatur. noch lebenden in abgerundeter Form auszudrücken und seinen Schmerz über Israels Leid auszugießen. Eines aber fehlte ihm in seiner Liebenswürdigkeit zur Satire, die F ähigkeit, über die Fehler anderer in Zorn zu geraten und sie zu verspotten. Abraham Ibn Esra (1090—1167), der mit den beiden vorhergenannten Dichtern, das glänzende Dreigestirn am Himmel der jüdisch-spanischen Dichtung bildete, war anders geartet. Er war mit seinem scharfen kritischen Geiste und seiner dichterischen Gestaltungskraft der geborene Satiriker. Aber seine Satiren waren zu sehr durch seine verbitterte Stimmung beeinflußt, die in seinen unglücklichen Lebensverhältnissen begründet war. Bekannt sind die folgenden Zeilen eines seiner Gedächte, die ich in der Geigersehen deutschen Übersetzung wiedergebe (Geiger, Jüdische Dichtungen der spanischen und italienischen Schule. Leipzig 1856). Ich klopfe an des Fürsten Tor; »Ist im Begriffe auszureiten«, ich komme abends wieder vor; »Ist eben dran, sich auszukleiden.« Ich ärmster muß von dannen scheiden Bleib nach wie vor bei meinen Leiden, Seinem Ärger über die schlechte Behandlung, die er bei einem Wirte in M 0 r a gefunden hat, verdanken wir die folgenden köstlichen Verse, welche einen Pendant zu dem Gabirol’schen Weinliede bildet (Geiger’sche Übersetzung). Der Krug Der ist Trug, Er ist leer, ohne Wein, Und der Fisch Ist kaum auf dem Tisch, Da ist er schon ganz weg, und derTisch — ist rein. Und die Wirtin blind Samt ihrem Gesind,