Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Die Satire in der jüdischen Literatur. derer vollkommenerer Fassung von R. Jose ha-Galili, Bereschith Rabba c. 99, vgl. S. Back, »Die Fabel im Talmud und Midrasch«, Monatsschrift, 1883, S. 325). Solche Fabeln, für die es auch in anderen Fabliaus Analogien gibt, können mit Fug und Recht zu den Satiren gezählt werden, insofern sie die Schwächen der Menschen persiflieren, von denen jeder mehr sein will als ihm zukommt und sich vordrängt, um dem anderen den ihm gebührenden Rang abzulaufen. Eine geschichtliche Satire in bezug auf die Prätension der Völker, deren jedes behauptet, vermöge seiner Würdigkeit die erste Stelle in der Welt einzunehmen, die aber alle Israel den allerletzten Platz einräumen, ist die Fabel vom Rangstreite des Strohs, der Stroppel und der Spreu, von denen jedes behauptete, daß das Feld um seinetwillen besäet worden sej. Da mischte sich das kleine Weizenkörnchen in den Streit und sprach: Wartet nur, bis ihr auf die Tenne kommet, da werden wir erkennen, um wessentwillen das Feld besäet worden ist.; Als sie auf die Tenne gebracht wurden, wurde die Spreu vom Winde entführt, das Stroh auf die Erde geworfen,, die Stoppel verbrannt und der Weizen sorgfältig aufbewahrt. Israel — das ist die Nutzanwendung der Fabel — sagt der Midrasch, ist das kleine Weizenkörnchen, das heißt, der Träger der höchsten Wahrheit über Gott, die einst das Gemeingut aller Menschen sein wird (Bereschith Rabba c. 36). Der Talmud (Chullin 91 b.) enthält noch eine andere Fabel von einem Rangstreite. Als der Stammvater Jakob, heißt es, sein Vaterhaus verlassen und auf dem Felde bei einbrechender Nacht mehrere Steine zusammengeschoben hatte, um sein müdes Haupt darauf zu legen, fingen die Steine miteinander zu streiten an. Jeder von ihnen wünschte dem Haupte des Frommen als Unterlage zu dienen. Gott machte diesem Streite dadurch ein Ende, daß er alle Steine zu einem einzigen Steine zusammenfügte. An diese Fabel möchte ich folgende Anekdote knüpfen.