Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 11 Ein frommer armer Jude, wird erzählt, wandte, sich an einen reichen Glaubensgenossen, der nicht im Rufe der Frömmigkeit stand, um Unterstützung. Als er aber von ihm mit den Worten abgewiesen wurde, er solle doch anstatt zu betteln, wie es die Christen tun, Steine klopfen und sich ehrlich sein Brot verdienen, antwortete er : »Wissen Sie, ich bin ein frommer Mensch. Wenn ich nun den ganzen Tag Steine geklopft habe und mich ein wenig auf dieselben hinlege, um auszuruhen, da könnte es mir passieren, daß die Steine wie beim Stammvater Jakob mit einander streiten und durch ein Wunder zusammenwachsen, so daß meine ganze Tagesarbeit vergeblich wäre. Ihnen, mein Herr, könnte dies nicht passieren. Werden Sie also, wenn Sie einmal in Armut geraten, was ja immerhin möglich ist, Steinklopfer«. Reinecke Fuchs, der Hauptheld der deutschen Tiersage, spielt auch im Talmud eine Rolle. Der Mischnalehrer R. M eir soll 300 Fuchsfabeln gekannt oder gar gedichtet haben (Sanhedrin 38 b). Der berühmte Meister R. Akiba hat einmal folgende Fuchsfabei angewandt: Er hatte in der Zeit des schwersten Druckes der römischen Herrschaft in Palästina gegen das Verbot der Römer öffentlieh Lehrvorträge gehalten und sich dadurch einer empfindliehen Strafe ausgesetzt Von seinem Freunde Pap p os ermahnt, seinen Glaubenseifer zu mäßigen, sich den An- Ordnungen der Römer zu fügen und sein Leben zu schonen, antwortete er: »Ich will dir eine Geschichte erzählen. Ein Fuchs sah einmal die Fische, denen man mit Netzen nachstellte, unruhig am Ufer des Flusses umherschwimmen. Die armen Tiere dauerten ihn. Er wollte ihnen helfen und rief ihnen zu, sich aufs Land unter seinem Schutz zu begeben. Die Fische aber trauten dem Schlauen nicht und machten von seinem Anerbieten keinen Gebrauch. Wenn wir, sagten sie zu ihm, in unserem Elemente, im Wasser nicht sicher sind, um wie viel weniger wären wir es, wenn wir uns daraus entfernten.« So, sagte R. Akiba, ist es