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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 9

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
Die Satire in der jüdischen Literatur
Date
1908-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 9 und ihren Nebenmenschen Liebe erweisen. Diesen Gedanken hingegeben, rief er voll bitterer Ironie mit dem Psalmisten (86, 7) aus: »Deine Gnadengaben sind wie Bergeshöhen, deine strengen Gerichte wie Abgrundstiefen« (Bereschith Rabba 33). Die Juden waren—־־ das ist erklärlich —nicht gut auf Rom zu sprechen. Sie sahen in ihm die Geißel, die Gott zur Strafe für die von Israel begangenen Sünden geschaffen hat. »Als Salomo«, heißt es im Talmud, »die Tochter Pharaos heiratete, stieg der Engel Gabriel herab, stieß ein Rohr ins Meer und trieb Schlamm hervor, auf dem später die Stadt Rom erbaut wurde«. (Sabbat 56 b, Sanhedrin 11 b, vgl. N. Brüll, Jeschurun von Kobak VIII, 1) Titus, der von den Römern »amor et deliciae generis humani« genannnt wurde, hieß bei den Juden, deren Tempel in Jerusalem er zerstört, und deren Gott er verhöhnt hat, kurzweg »Titus der Bösewicht«. Er war vor seiner Thronbesteigung grausam und ausschweifend, nach derselben aber milde und maßvoll in seiner ganzen Lebensführung (Sueton, Tit. 1. 6. 7). Er starb schon nach zweijähriger Regierung (79—81), wohl infolge der durch seine frühere Schwelgerei herbeigeführten Nervenzerrüttung. Dieser Umstand dürfte bei den Juden, die ihn verspotteten, den Anlaß zu der seltsamen Sage geboten haben, nach der ihm zur Strafe für seine Lästerung Gottes, des Herrn der Welt, ein winziges Geschöpf, eine Mücke, ins Gehirn gefahren sei und ihn bis an sein Lebensende gequält habe (Gittin 56 b, Sifri, Abschn. Haasinu). Wir können wohl diese Sage als eine Satire bezeichnen. R. Simon bar Kapp ar a, der bereits genannte Dichter, hat auch Fabeln verfaßt, von denen sich nur einige Fragmente erhalten haben. Eines derselben behandelt den Rangstreit der Berge und zwar des Sinai, Tabor und Karmel, deren jeder um den Vorzug stritt, der Schauplatz der göttliehen Offenbarung zu sein (Mechilta, Abschn. Jethro, in an-

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