Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 7 um die Hand der Tochter der Zeder und wird während der Werbung von einem Wiesel zertreten. Wer denkt da nicht an die beiden bekannten Äsopischen Fabeln? ln der einen baten die Frösche Zeus um einen König und erhielten ihn in der Gestalt eines Storches, von dem sie aufgefressen wurden. In der anderen will es der Frosch mit dem Ochsen aufnehmen* bläst sich auf, um eben so groß wie dieser zu erscheinen, und platzt dabei. Alle Fabeln der verschiedenen Völker haben ihren Ursprung im Orient und sind daher mehr oder weniger mit einander verwandt. Der König Salomo hat nach der Bibel (I. Kön. 4, 32—33) 3000 Sprüche und 1005 Lieder verfaßt und über die Bäume, von der Zeder auf dem Libanon bis zum Ysop an der Wand, über das Vieh, die Vögel, das Gewürm und die Fische geredet. Der Historiker J ose p h u s (Altert. VIII, 2, 5) macht aus der gegebenen Zahl 3000 Bücher von Sprüchen. Der Talmud (Erubin 21) nahm an, daß Salomo zu jedem Worte der Thora 3000 Gleichnisse und zu jedem Worte der Schriftgelehrten 1005 Erklärungen verfaßt habe. Das geht in die Milliarden. Die biblische Angäbe, daß er über die Tiere und Pflanzen geredet habe, bedeutet wohl, daß er Fabeln gedichtet habe. Eine derselben hat sich in einer drolligen, jüdischen Sage erhalten. Salomo, heißt es daselbst, hat die Sprache aller Tiere verstanden. Einmal belauschte er das Gespräch eines auf dem Turm seines Palastes sitzenden Spatzen, der zu seinem Weibchen sagte: »Du weißt gär nicht, wie stark ich bin. Ich könnte, wenn ich wollte, durch einen einzigen Stoß meines Fußes diesen Turm, auf dem wir sitzen, umschmeißen«. »Wie kannst du, kleiner Wicht«, sagte später der König zum Spatzen, »so aufschneiden«? »Verzeihe«, antwortete dieser, »die Weiber sind halt so. Die Männer imponieren ihnen nur, wenn sie ihnen gegenüber wichtig tun. Was sie ihnen sagen, womit sie renommieren, braucht nicht immer wahr zu sein. Die Hauptsache ist, daß die Weiber es glauben. Sieh, mein