Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Die Satire in der jüdischen Literatur. Der Hausfreund reicht ihr galant sein Portefeuille, in das sie einen sehr tiefen Griff getan hat. Er besieht den Schaden und trottet wie ein begossener Pudel heim. Derselbe Spruchdichter enhält noch mancherlei scharf zugespitzte satirische Aussprüche. Das satirisch angelegte Buch »Kohelet« schildert am Schlüsse das Ende desjenigen, der sein Leben in der Jugend nicht geschont hat, in einem drastischen Bilde. »Die Hirnmelslichter«, heißt es, »verdunkeln sich, die Wächter des Hauses erzittern, die Krieger krümmen sich, die Müllerinnen schweigen, die Mühle verstummt, die durch die Luken schauen, erblinden, die Türen schließen sich, die Töne verklingen, die silberne Kette reißt, die goldene Kugel bricht, der Krug geht entzwei, und das Schwungrad rollt in die Tiefe«. Stückweise, das ist der Sinn dieses Bildes, versagen die einzelnen Organe des Leibes allmählich ihren Dienst, später bei demjenigen, der in dem Verbrauche seiner körperlichen Kräfte haushälterisch war, früher aber bei der jeunesse doröe, die sich in der Jagd nach Allotriis an Leib und Seele aufgerieben hat. Die biblische Erzählung, daß N e b u k a d n e z a r einen seltenen Traum gehabt habe und ganz so, wie ihm Daniel (4) ihn gedeutet hat, in Wahnsinn verfallen sei, ist offenbar eine apokalyptische Satire auf A n t i 0 c h u s E p i p h a n e s, der spottweise auch Epimanes, der Wahnwitzige, genannt wurde. Die Bibel enthält auch zwei Fabeln, die zur Satire gehören, insofern in ihnen Wesen der unvernünftigen Natur redend derart angeführt werden, daß in ihnen das Menschliche nach seiner guten und schlechten Seite veranschaulicht wird. In der ersten dieser Fabeln (Richter c. 9): wählten die Bäume des Waldes zu ihrem Könige den DÖrnstrauch und wurden von dem Feuer verzehrt, das von ihm ausgegangen ist. In der zweiten Fabel (2. Kön. 14) wirbt der Dornstrauch in seiner Oberhebung