Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Die Satire in der jüdischen Literatur. Sie beschreibt im heidnischen Seher Bileam, der sich mit seiner prophetischen Kraft brüstete und den Engel Gottes nicht sah, den seine Eselin geschaut hat; und der vor Israel hintrat, um es zuverfluchen und es wider seinen Willen segnete, den gleißnerischen Verführer Israels, der zu ihm salbungsvoll redet und im Herzen ihm das Schlechteste wünscht. Sie führt uns in H a m a n, der die Juden vernichten wollte und an denselben Galgen gehenkt wurde, den er für Mordechai errichten ließ, den eingefleischten Judenfresser vor, auf den oft die Pfeile zurückfallen, die er gegen die Juden schleudert. Die Bibel braucht die Absicht der Satire gar nicht gehabt zu haben, aber die Juden haben später die genannten Personen als satirische Figuren aufgefaßt, welche gewisse Gharakterfehler repräsentieren. Sie redeten von ihnen in derselben Weise, in der wir von manchen charakteristischen Gestalten der Dichtung reden. Die fulminantenStrafreden, in denen die Propheten gegen die Gebrechen des Volkes eiferten, haben oft recht scharfe satirische Spitzen. Als die Propheten des Baal auf dem Berge Karmel Stunden lang ihren Gott vergeblich angerufen hatten, daß er ihnen zur Verbrennung ihres Opfers Feuer vom Himmel sende und dadurch ein Zeichen gebe, daß er der wahre Gott sei, sagte der Prophet Elia voller Spott zu ihnen : »Rufet euren Gott laut an, denn er ist vielleicht in Gedanken versunken oder bei Seite gegangen« u. s. w. (2. Kön. 18, 4). Der Prophet A m 0 s (3, 7) geißelt die Zerrüttung des Familienlebens in Israel mit einigen wenigen Worten die an »die beiden Klingsberg« von Kotzebue erinnern. Hosea (13, 2) ironisiert bitter die Götzendiener, »welche die Menschen opfern und die Kälber küssen«. J es a i a s schüttet die ganze Lauge des ihm eigenen Sarkasmus über den Künstler aus, der einen Gott aus einem Holzblocke schnitzt, dessen Abfälle er anzündet, um daran sich zu wärmen und die Speisen zu bereiten. Der griechische Meister P h i d i a s mit seinem Zeus von