Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 3 heiliges, göttliches Buch ist Allein, da wir uns nicht scheuen von der biblischen Dichtung zu sprechen, so dürfen wir darin auch der Satire, die eine ihrer Seiten bildet, einen Platz einräumen. Ich bin sehr weit davon entfernt, die Bibel zu profanieren, wenn ich das, was mir als satirisches Moment erschien, in eine moderne Form gekleidet und da und dort durch Parallelen der nichtjüdischen Literatur illustriert habe׳ Die Beispiele, die ich aus der Haggada gebe, sind dürftig. Es sind eben nur Proben. Dasselbe gilt von der späteren jüdischen Literatur, von der überdies Folgendes zu bemerken ist. Erstens kommt dasjenige in ihr, was lediglich aus einer andern Sprache ins Hebräische übersetzt wurde, in meiner Monographie in der Regel nicht in Betracht, da ich doch das Wesen der jüdischen Satire behandle. Zwe i.tens gehört nach meiner Auffassung die Streitschrift, insofern sie spezifisch persönlicher, also individueller, Art ist, nicht zur eigentlichen Satire, die ihrem Wesen nach, selbst wenn sie bestimmte Personen zum Ziele hat, in formaler Beziehung allgemeiner Natur ist. Ich habe daher manches ausgeschaltet, was andere zur Satire rechnen. Meine Abhandlung ist eben nur ein Versuch und obendrein eine ganz knappe Skizze, in der ich die wichtigsten Punkte der jüdischen Satire zusammenstelle. II. Die Satire findet sich bereits in der Bibel. Sie bietet uns einige gewissermaßen satirische Typen, auf die man später oft hingewiesen hat, um eine häßliche, charakteristische Seite eines Menschen kurz anzudeuten. Sie schildert zum Beispiele in Es au, der sein Recht der Erstgeburt um ein Linsengericht verkauft hat, das Urbild des Genußmenschen, der in seiner Torheit für einen flüchtigen sinnlichen Genuß das ganze Heil seiner Seele hingibt. Sie zeigt uns in dem schlauen Laban, der in Jakob seinen Meister gefunden hat, den mit Recht betrogenen Betrüger K