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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
Die Satire in der jüdischen Literatur
Date
1908-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Die Satire in der jüdischen Literatur. hat, ist der souveräne Witz, das Merkmal eines scharfen Verstandes, mit dem er die Schwächen seines Zeitalters durchgehechelt hat. Was aber seiner Dichtung ein eigentümliches Gepräge gegeben hat, das ist der jähe, oft unvermittelte Obergang von der glühenden Äußerung des Gefühls zum kalten zersetzenden Sarkasmus, in dem sich die spielenden Grazien in neckische Kobolde verwandeln. Die Lyrik und die Satire kommen bei ihm oft gleichzeitig zum Worte. Diese Mischung verdankte Heine, der, vom Genius des deutschen Volkes getragen, trotz aller Verunglimpfungen einer der größten deutschen Dichter ist, dem Stamme, den er entsprossen ist, und dessen Weltschmerz er trotz seines Abfalles von demselben immer tief mitempfunden und oft in die ergreifendste Form gekleidet hat. Dem jüdischen Stamme ist ein Herz eigen, das in besonderem Grade sprüehwörtlich weich ist, sei es von Natur, sei es durch die Leiden, die er mehr als irgend ein anderes Volk erduldet und unter deren Wucht er das Schlechte, das in der Welt herrscht, tiefer wie irgend ein anderer empfunden hat. Aus dieser Gemütsstimmung erwuchs sein Weltschmerz, der ihn verbitterte und seine berechtigte Klage zur Satire machte, von der ganz besonders das Wort des berühmten römischen Satirikers Juvenal gilt : Facit indignatio versus. »Die Entrüstung schmiedet Verse«. Dem jüdischen Stamme hat es aber neben dieser Weichheit des Herzens nicht an dem nötigen Verstände gefehlt. »Alle Juden,« sagt ein Sprichwort, »haben Sechei.« Ein talmudisches Sprichwort lautet: »Besser ein Körnlein scharfen Pfeffers, als ein Korb voller Kürbisse« (Megilla 7a). Die Juden liebten von jeher humoristische Gespräche, geistreiche Witze und — wenn es galt, das Niedrige und Gemeine zu tadeln — die bitterböse S a t i r e. Die Satire in der jüdischen Literatur monographisch zu behandeln, ist eine schwere Aufgabe. Zu dieser Literätur gehört doch in erster Linie die Bibel, die uns ein

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