Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Me Satire in der indischen Literatur. Von Heinrieli Gross. I. Die Satire ist diejenige Gattung der Dichtkunst, in welcher Laster und Torheiten der bürgerlichen Gesellschaft oder einzelner ihrer Stände und hervorragender Führer in verschiedenen Formen, sei es in gebundener oder ungebundener Rede, sei es in ernster öder humoristischer Weise, lächerlich gemacht oder dem Spotte preisgegeben werden. Sie ist das Spiegelbild der Kultur des Volkes, dem der Dichter angehört. Sie erscheint anders im griechischen Gewände bei Aristophanes und anders in der römischen Toga bei H 0 r a z. Sie tritt in anderer Gestalt in der freigeistigen Sphäre des Franzosen Rabelais, in anderer bei dem Spanier Cervantes im Don Quixote und in ganz anderer Gestalt in der jüdischen Literatur auf, in der das tiefe Weh der Bedrückten, der Weltschmerz, den Dichtern die Feder führte. Ich habe von den Satirikern der verschiedenen Völker gesprochen, nur von der deutschen nicht. Ich nenne nur einen, allen wohl bekannten, den gottbegnadeten Dichter Heinrich Hein e. Wir bewundern an ihm die ungewöhnliehe Innigkeit der Empfindung, die, der Tiefe seines zartbesaiteten Gemütes entquellend, mit hinreißender, entzückender plastischer Gestaltungskraft hinfloß. Was ihm den Beinamen des »ungezogenen Lieblings der Grazien« eingebracht Monatsschrift, 52. Jahrgang. t