Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829805-2846269--35119-2846374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum. 85 »rabbinistischen« Philosophie1) und von seinen »rabbinistisch spekulativen Dialogen« redet2). Eine auf ihre Be- Ziehungen zum Judentum unternommene Durchmusterung der theologischen Schriften Servets wird uns aber doch zu einem anderen Ergebnis führen. Schon in den ersten Anfängen seiner literarischen Tätigkeit, in der Schrift: De trinitatis erroribus, offenbart sich eine gewisse Kenntnis des jüdischen Schrifttums, die sich im weiteren Fortgang seiner Studien, wie sich aus seinem theologischen Hauptwerk, der Christianismi Restitutio, ergiebt, nicht unbeträchtlich erweitert hat. Auf welchem Wege er zu dieser Kenntnis gelangt ist, ob er vielleicht schon in seiner Heimat durch den Verkehr mit Marannen oder erst später während seines Aufenthaltes in Italien und Deutschland, wohin er den kaiserlichen Hofgeistlichen Juan de Quintana als Amanuensis begleitet hatte, durch den Verkehr mit Juden auf diesen Schriftenkreis geführt wurde, das läßt sich nicht mehr ermitteln3). Was seine Beurteilung des jüdischen Schrifttums betrifft, so zeigt er darin eine Unbefangenheit und Vorurteilslosigkeit, die wir bei Luther und den anderen Reformatoren, denen er auch an Wissen auf diesem Gebiete bei Weitem überlegen ist, nur zuoft *) Tollin, Das Lehrsystem Michael Servers, Gütersloh 1876, I, S. 7. 2) Das. II, S. 32. 33. 3) Vielleicht hat Servet die erste Bekanntschaft mit dem jüdisehen Schrifttum durch Vermittlung der gegen das Judentum gerichteten polemischen Schriften, wie der Dialogi des Petrus Alphonsus und des Scrutinium scripturarum contra perfidiam Judaeorum des Paulus Burgensis, gemacht. Diese beiden dem Judentum entstammenden Konvertiten werden von ihm erwähnt Ghrist>restit. De trinit. III, pag. 102—103: Visibilem in Deo ipso apparuisse. imaginem ex apertissimis scriptis tenuerunt veteres Hebraei, ut docet Philo, Eusebius, Hieronymus, Petrus Alphonsus, Paulus Burgensis et plerique alii ex Judaeis ad Christum conversi. Umso anerkennenswerter wäre in diesem Falle die Unbefangenheit, die Servet sich dem Judentum gegenüber bewahrt hat.