Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829805-2846269--35118-2846373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
84 Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum. dritten Jahrhunderts auftretenden Sabellianismus erblicken dürfen1), denn die fragmentarischen Berichte, die uns über diesen erhalten sind, waren, wenn sie Servet überhaupt gekannt hat, kaum geignet, auf ihn einen so tiefen Eindruck zu machen, um einen Umschwung in seiner ganzen religiösen Anschauungsweise herbeizuführen. Er mag in der Lehre des Sabellius nachträglich eine gewisse Bestätigung seiner Auffassung von der Trinität gefunden haben, aber sie war keineswegs das Ferment, das sein theologisches Denken durchsetzt und in einen mit der Kirchenlehre unvereinbaren Gegensatz gebracht hat. Viel begründeter erscheint mir die Vermutung, daß nicht nur der philosophisehe, sondern auch der theologische Standpunkt Servets durch die damals weitverbreiteten und mit enthusiastischem Interesse aüfgenommenen Lehren des Neuplatonismus beeinflußt sei, deren Spuren uns in seinen Schriften vielfach entgegentreten2). Sollte aber das Schrifttumdes Judentums, mit dem, wie wir sehen werden, Servet früh bekannt geworden ist, ohne jeden Einfluß auf sein Geistesleben geblieben sein? Auf Grund der bisherigen Darstellungen müßte man allerdings zu dieser Annahme gelangen. Wenigstens ist mir in der immerhin nicht unbeträchtlichen Servetliteratur, soweit sie mir zugänglich war, kein Hinweis auf eine Beeinflußung durch das Judentum oder auch nur auf eine Benützung des jüdischen Schrifttums aufgestoßen, es sei denn, daß man einen solchen darin erblicken wollte, daß Tollin, wo er an Servet etwas auszusetzen hat, in der bekannten Manier, aber ohne jede Begründung, von seiner 1) .Jean Geymonat, Michel Servet et ses idees religieuses, Genf 1892, pag. 51. 2) E. Saisset in Revue des deux Mondes 1848, I, pag. 587. So ist es z. B. ganz im Geiste Plotins, wenn Servet (Christ. Rest. De trinitate pag. 110) sagt: Si enim lucem hanc aut res alias nobis cognitas mediteris, dices manifeste, quod Deus non est lux, sed supra lucem, nec essentia, sed supra essentiam, nec Spiritus, sed supra spiritum, supra quiequid cogitari potest etc. Vgl. Plotin V, 3, 11 u. a. O.