Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 7)
- Language
- German
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Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum. 83 wie sie Athanasius und Augustin, im Gegensatz zu den älteren Lehrern der Kirche, unter dem Einfluß der griechisehen »Sophisten« aufgestellt hätten1), widerspricht seiner Ansicht nach dem Glauben an die Einheit und UnteilbarkeitGottes, der ihm als ein unbedingtes Postulat der menschlichen Vernunft gilt. Mit der Annahme von drei Personen oder Wesenheiten in Gott hat die Kirche den Boden des monotheistischen Gottesgedankens verlassen und ist trotz aller Distinktionen, durch die sie sich dieser Konsequenz zu entziehen suchte, zu einem Dreigötterglauben gelangt. Einen dreigeteilten Gott anbeten, heißt ein Monstrum anbeten, einem dreiköpfigen Cerberus göttliehe Verehrung darbringen2). Unter entschiedener Ablehnung der kirchlichen Auffassung dieser Lehre will deshalb Servet die Trinität nur als die dreifache Erscheinungsweise Gottes in der Welt verstanden wissen, die mit dem Begriff der Einheit und Unteilbarkeit Gottes sehr wohl vereinbar sei. Man hat die Frage aufgeworfen, woher dem unter der strengen Kirchenzucht seiner Heimat, des Mutterlandes der Inquisition, erwachsenen Spanier die Anregung gekommen sei, die kirchliche Trinitätslehre mit solcher Entschiedenheit abzulehnen und ihr gegenüber für die Einheit des Gottesbegriffs in die Schranken zu treten. Von einer Beeinflußung durch die Theologie des Islam, an die man unter Hinweis auf die in Spanien etwa noch zurückgebliebenen Mauren gedacht hat, kann nicht die Rede sein, da wir bei Servet wohl einer gelegentlichen Erwähnung Mahomets und des Alkorans, aber nirgendwo der Spur einer Bekanntschaft mit den Erzeugnissen der islamitischen Theologie begegnen. Ebensowenig werden wir in dem Antitrinitarismus Servets trotz mannigfacher Berührungspunkte eine bewußte Erneuerung des am Anfang des *) Christ, resf. De trinit. I, pag. 30. s) Ibidem: De trinit. III, pag. 119. 6*