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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 1 · p. Seite 80

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 1
Article
Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1907-01-01
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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8Ö Michael Servet in seinen Beziehungen zum Judentum. sich zu dem Eingeständnis entschließen, daß die Hinrichtung des Spaniers zu Genf dennoch »eine protestantische Tat, eine natürliche, unausbleibliche Frucht des damaligen Protestantismus gewesen sei«. »Calvin ist der Mann, den der Protestantismus seiner Zeit beauftragt hat, behufs öf ferttlicher Lossagung des Protestantismus von aller und jeder Ketzerei den Angreifer der hergebrachten Lehre von der Dreieinigkeit angesichts des christlichen Europa in die Flammen zu stürzen. Nicht Calvin ist schuldig, sondern der Protestantismus seiner Zeit. Daß aber der Protestantismus seiner Zeit, daß die ebenso feurige wie aufrichtige Frömmigkeit der Reformatoren solch eine blutige Frucht zeitigen konnte und mußte, das ist seine Verurteilung«1). Wir haben geglaubt, diesen Gesichtspunkt hervorheben zu müssen, weil er uns das Verhalten des Protestantismus jener Zeit auch dem Judentume gegenüber erst im rechten Lichte erscheinen läßt. Auch Luther, der allerdings die Veröffentlichung des Servetschen Hauptwerkes und das sich daran knüpfende Ketzergericht in Genf nicht mehr erlebt hat, und er ganz besonders, hat das Prinzip der Glaubensfreiheit nur insoweit gelten lassen, als es ihm selber zum Schutze gereichte, hat es aber auch in seinem engeren Kreise, wie sein Verhalten gegen Karlstadt, gegen den Antitrinitarier Johannes Campanus und die maßlose Heftigkeit beweist, mit der er die Reformierten in der Schweiz bekämpft, unbedenklich aüfgegeben, wo es sich um Anschauungen handelte, denen er seine Zustimmung nicht erteilen konnte. Wie hätte die Achtung vor dem Prinzip der Glaubensfreiheit ihn davon zurückhalten sollen, seiner Erbitterung über die »Halsstarrigkeit«, mit der die Juden sich seiner Lehre widersetzten, Ausdruck zu verleihen und die Gewalt der Fürsten, wie die Leidenschaften des Volkes wider sie anzurufen? 1J Tollin, Charakterbild Michael Servers (Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge von Virchow und Holtzendorff) Berlin 1876, S. 6.

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