Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Kaufmann'sche Mischna-Handschrift
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kaufmann’sclie Mischna-Handschrift. 55 fende Ausgabe der Mischna nach kritischen Grundsätzen wird nicht umhin können, auf den Kaufmännischen Mischnacodex zu rekurrieren. Der Pergamentcodex in Kleinfolioformat enthält auf 286 zweispaltigen Seiten den ganzen Text der Mischna, doch ist der Vermerk des Weiß?schen Katalogs »vollständig« insofern einzuschränken, als 1 Blatt, wie auch äußerlich kenntlieh, nachträglich herausgerissen wurde1). Das Pergament, durchweg iiniiert, ist sehr gut erhalten, bis auf die letzten Seiten des ganzen Codex, wo die letzte Lage von zweimal 8 Seiten2) ein minderwertiges Pergament aufweist, auf welchem darum die Schrift abgesprungen ist3). Sonst ist die Quadratschrift, in der der Codex geschrieben ist, geradezu eine herrliche zu nennen, so daß stellenweise die Illusion erweckt wird, als lese man eine rituelle Synagogenrolle, Von dieser Pracht hebt sich deutlich die fast durchgängig angewandte Punktation ab, eine spätere Zutat, wie die blässere Tinte zeigt, noch mehr aber der noch zu erbringende Beweis, daß Punktation und Konsonantentext sich nicht decken. Es haben überhaupt an diesem alten Codex mehrere Hände gearbeitet; zwar dürften viele Streichungen und Nachträge, die durch Versehen notwendig geworden sind, von dem ersten Autor herrühren, aber an beiden, an den Streichungen und den Nachträgen am Rande, sieht man oft, daß es spätere Manipulationen sind, und besonders kann man an den am Rande angebrachten Ver- *) Es fehlt in Kerithot 3, 7 שהוא חייב bis 5, 2 ואם ספק דמעות. 2) Jede Lage besteht aus 8 Blättern, und das Ende der Lage ist durch je einen Gustos gekennzeichnet. Ein eingesetztes Blatt befindet sich auch in der Mitte von Nidda. 3) Der Weisz’sche Katalog sagt: »in טהרות die Schrift abge- Sprüngen«, was ungenau ist, denn nur die letzten 8 Blätter sind minder schön, und auch das nur infolge des schlechteren Pergamentmaterials. Ich glaube übrigens in diesen letzten 8 Blättern die Schrift einer anderen Hand zu erkennen.