Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 8)
- Language
- German
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Besprechung. 127 Mit dem Judentum sich zu befassen, dazu bot Spinoza die Abfassung des theologisch-politischen Tractats wiederholt Gelegenheit. Es ist bereits hervorgehoben worden, dass er darin vielfach ganz anders über die Bibel urteilte als in der Zeit seines Bruchs mit der Gemeinde (vgl. Frd. S. 52 u. 136). Dass der Tractat eine sehr schiefe Auffassung von der Entwicklung der jüdischen Religion vertritt, ist längst bekannt. Wie ungerecht und von Hass geblendet Spinoza sich häufig über die Juden darin äussert, ist von Freudenthal mit Recht hervorgehoben (S. 200). Das hindert nicht, dass die Probleme der biblischen Kritik in Tractate teilweise mit grossem Scharfsinn formuliert und manche Resultate der historisch-kritischen Exegese darin vorweggenommen sind. Auffallend sind übrigens auch die Abweichungen im tractatus politicus, wo er die jüdische Staats׳־ Verfassung mit weit grösserer Ruhe und Heiterkeit beurteilt. Möglich, dass er gegen Ende seines Lebens versöhnlicher gestimmt war, wie ja auch Korthold angiebt, er nicht immer Juden vom häuslichen Umgang ausgeschlossen habe« (S. 78). Die wissenschaftlichen Arbeiten der letzten Lebensjahre führten Spinoza wiederum zu den Studien der Jugend zurück. Er verfasste eine niederländische Ueber Setzung des Pentateuch; jedoch scheint ihn das Werk nicht befriedigt zu haben, denn kurz vor seinem Tode hat er es den Flammen übergeben (p. 296). Unvollendet geblieben ist das Compendiutn der hebräischen Grammatik, das er auf Wunsch einiger Freunde in Angriff nahm (S. 294 ff.); er gedachte sogar die Grammatik nach geometrischer Methode zu bearbeiten (S. 300). Das vorhandene Fragment hat mehr für die allgemeine Sprachwissenschaft als für die hebräische Grammatik Bedeutung. Schliesslich seien noch wenige Einzelheiten richtig gestellt. S. 5 schreibt der Verf. von der jüd. Religionsphilophie, dass sie im IX. Jahrhundert durch karäische Theologen begründet sei. Dieser Anspruch der Karäer muss nach neueren Forschungen zurückgewiesen werden; der erste philosophische Autor David Almokammes war nie Karäer, andere karäische Schriftsteller müssen weit später angesetzt werden als früher geschah, vgl. Harkavy’s Bemerkungen zu Graetz Bd. V in REJ. V.—■S. 6 giebt der Ausdruck, dass Maimonides Lehre im Gegensatz zur orthodoxen Glaubenslehre stand, zu Miss- Verständnissen Anlass. Eine orthodoxe Lehre in unseren Sinne hat es unter den Juden nicht gegeben. Die Gegner des Maimonides waren ohne jede philosophische Schulung und darüber erbittert, dass er es wagte, Bibel und Talmud an unzähligen Stellen umzudeuten. — S. 26 f. ist das Talmudstudium ein wenig hart mitgenommen. So wie der