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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 1 · p. Seite 126

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1905-01-01
Page
Seite 126 (sequence 7)
Language
German
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126 Besprechung. zu sprechen hat, und dass er namentlich das Christentum und seinen Stifter auf Kosten des Judentums verherrlicht hat. Spinoza war sonst vorsichtig und zurückhaltend mit der Aeusserung , seiner Ansichten (p. 80), seinen Glaubensgenossen gegenüber aber hat er diese Vorsicht nicht walten lassen, ihnen gegenüber hat er unbedenklich und unnachsichtig Kritik geübt und im jugendlichen Eifer hat er manche Einwendung als gewichtig angesehen, für die er später im theologischpolitischen Traktat eine ganz richtige Erklärung zu geben wusste. Spinoza hat ferner gegen andere Religionsbekenntnisse stets die grösste Hochachtung gezeigt und in tiefer Ehrfurcht von ihnen geschrieben. Mit dem Judentum macht er eine Ausnahme. Das sah er doch vielfach durch die Brille der christlichen Theologen an, die Juden waren ihm die Pharisäer, die man ungestraft schmähen durfte (ep, 76 g. E.). Für die Persönlichkeit und die Lehren der Propheten, für die religiösen Gedanken der biblischen Dichter zeigt er nicht das richtige Verständnis. Während er bei den jüdischen Exegeten rationalistische Usadeutungen der heiligen Schrift tadelt, findet er an einem gleichen Verfahren beim neuen Testament nichts Anstössiges und wendet selbst symbolische oder allegorische Auslegung wiederholt an. ln all diesen Punkten wirkt die Abneigung gegen das Judentum und der Einfluss der herrschenden Theologie nach. Spinoza selbst war sich dessen nicht bewusst, dass er dem Vorurteil seinen Zoll entrichtete, aber eine historische Auffassung seiner Persönlichkeit kann diese Dinge nicht unberührt lassen (vgl. p. 199). Ueber die Juden seiner Zeit hat Spinoza sich fast nie geäussert; am 8. Dec. 1665 schrieb ihm Oldenburg von der damals bevorstehenden Zulassung der Juden in England und berührte die zurzeit viel erörterten chiliastischen Schwärmereien (Ep. 33). Wie mag Spinoza diese Nachrichten aufgenommen haben? Die Antwort auf obigen Brief ist nicht vorhanden, ihr Verlust ist tief zu beklagen. Nicht minder als auf Spinoza wirkte seine :Ausstossung auf seine Glaubensgenossen. Spinoza scheint in der Tat ein toter Mann für sie gewesen zu sein, nie wieder ist in jüdischen Quellen von ihm die Rede. Als der theologisch-politische Tractat erschien, und die christlichen Gelehrten aller Fächer gegen dieses Werk einen wahren Feldzug eröffneten, haben die Juden geschwiegen1). Ein Buch Spinozas existierte für sie nicht, eine Gefahr schien man davon nicht zu befürchten. נ) Unter den zahlreichen Schriften und Aeusserungen über den Tractat, die der Verf. S. 221 ff. bespricht, findet sich nicht eine einzige von einem Juden.

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