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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 1 · p. Seite 122

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1905-01-01
Page
Seite 122 (sequence 3)
Language
German
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122 Besprechung. Und haben vielen seiner Ideen eine ganz bestimmte Färbung gegeben. Hier fand er die ersten Antworten auf Probleme, deren Lösung später seine Lebensaufgabe bildete. Der Einfluss, besonders der religionsphilosophischen Literatur des Judentums, auf Spinoza ist niemals ganz verdrängt worden. »Wenn auch keine der eigentlich spinozischen Lehren auf den unmittelbaren Einfluss jüdischer Denker zurückzuführen wäre, so hat doch Spinoza’s Weg ihn über ihre Philosopheme zu den eigenen Oedankenkreisen geleitet; sie bilden eine wichtige Etappe auf seinem Bildungsgänge; hierin besteht ihre Bedeutung für die Geschichte Spinozas und der Wert der in den letzten Jahrzehnten geführten Untersuchungen über sein Verhältnis zu den jüdischen Religionsphilosophen« (S. 35). Neben den durch die Quellen belegbaren Einflüssen der Umgebung weist der Verf. auch auf die Einwirkungen hin, die nicht besonders überliefert sind, aber dennoch unzweifelhaft stattgefunden haben. Die Tugenden des Elternhauses, die Standhaftigkeit der Marranen, die mit Blutgeschriebene Geschichte ihrer Leiden, alle diese Vorbilder und Eindrücke der Kindheit sind an Spinoza nicht spurlos vorübergegangen. »Soviel steht fest, dass der Einfluss, den Religion, Geschichte und Literatur des Judentums auf sein Herz und seinen Geist in seiner Jugendzeit ausgeübt haben, ein sehr bedeutender gewesen ist« (p. 315). Dabei hatte Spinoza, das dürfen wir nie vergessen, das Unglück, in einer Zeit und in einer Umgebung zu studieren, in der der After- Weisheit der Kabbala ein weitgehender Spielraum gegönnt war; er hat auch mit dieser Feindin alles klaren Denkens sich befasst, und seine Neigung zum Pantheismus ist dort vielleicht noch mehr bestärkt worden, als der Verf. anzunehmen geneigt ist. Spinoza hat freilich später die Gefährlichkeit der Kabbala erkannt und ihre Adepten Schwätzer genannt. Wann mag er sich zu dieser besseren Erkenntnis durchgerungen haben? Noch während seiner Studienjahre? Jedenfalls hat er sie nicht dazu benutzt, um seine Glaubensgenossen aufzuklären. Spinoza hätte, das muss doch bei einer Betrachtung seines Lebens hervorgehoben werden, dem Judentum zum Segen werden können, wenn er seine universelle Bildung und seine geistige Klarheit zur Aufklärung seiner Gemeinde verwendet hätte; dahingegen hat er nur an dem bestehenden Judentum Kritik geübt, zur Tätigkeit eines Reformators war er nicht veranlagt. Es drängt sich unwillkürlich der Vergleich mit Moses Mendelssohn auf. Als Denker steht er unzweifelhaft weit hinter Spinoza zurück. Aber welchen Einfluss hat sein Beispiel geübt! Seine Abwendung von der Kabbala, und sie vor allem, hat die Verjüngung des jüdischen Stammes in der Neuzeit herbeigeführt. Hier versagt Spinoza völlig, nicht einmal ein Ansatz

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