Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 1 · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 1
Article
Das Ausgiessen von Wein und Öl als Ehrung bei den Juden
Date
1905-01-01
Page
Seite 13 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829787-2829789-2845954--33364-2845989
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Ausgiessen von Wein und Öl als Ehrung bei den Juden. 13 Zug gehabt haben, wesshalb bei manchem Lehrer Bedenken gegen seine Zulässigkeit auftauchten. Welcher Oedanke in dieser Form der Ehrung zum Ausdruck kommen sollte, ist aus dem Berichte selbst nicht ersichtlich. Die Bestimmung über die Zulässigkeit des Ausgiessens von Wein und Öl als Ehrenbezeigung findet sich auch in der Baraitha Berach. 50b mit der Erweiterung: וזורקין לפניהם קליות ואגוזים בימות החמה אבל לא בימות הגשמים, אבל גלוסקאות לא בימות החמה ולא בימות הגשמים, «Man streut vor Braut und Bräutigam geröstete Körner und Nüsse in der Sommerszeit, aber nicht in der Regenszeit; גלוסקאות dagegen weder zur Sommers-, noch zur Regenszeit«. Diese Beschränkung ist durch die Rücksicht auf die Vernichtung der Lebensmittel und die Missachtung, die sich in deren Zertretung äussert, veranlasst; und der gleiche örund dürfte auch für die Verwendung von Rinnen bei Wein und Öl bestimmend gewesen sein, da als entsprechende Form das einfache Ausgiessen der Flüssigkeit vor der auszuzeichnenden Person zu erwarten wäre. Was soll nun das Streuen von gerösteten Körnern und Nüssen und was das Ausgiessen von Wein und Öl bedeuten? War auch Galiläa reich an Wein und Öl, so setzt das Ausgiessen dieser Flüssigkeiten in grösserer Menge auf der Strasse, selbst das Fliessenlassen durch Rinnen, einen Grad von Wohlhabenheit beim Veranstalter dieser Ehrung voraus. Bei den Reichen finden wir aber auch sonst die Sitte, Wein und Öl auf den Boden zu giessen, allerdings im Zimmer; doch ist ein Zusammenhang mit dem behandelten Brauche trotzdem nicht unwahrscheinlieh. Eine Baraitha in b. Pessach. 20 b lautet: «Ein Fass Wein priesterlicher Hebe, der levitisch unrein wurde, muss nach Ansicht der Schammaiten weggegossen werden, nach der der Hilleliten dagegen darf man ihn zum זילוף verwenden. R. Ismael b. R. Jose sagt: Ich kann diese Meinungen vereinbaren: auf dem Felde muss der Wein weg-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.