Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Ausgiessen von Wein und Öl als Ehrung bei den Juden
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 1)
- Language
- German
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12 Das yfrisgiesseti von Mm und Öl als Ehrung bei 9e« 3n9en Von A. BtieMer. In Toss. Sabbath, VII, 16 (ed. Zuckermandel 118, 27) und Semach. VIII. lesen wir Folgendes: ממשיכין יין ושמן בצינורות לפני חתנים וכלות ולא מדרכי האמורי, מעשה ביחידה והלל בניו של רבן גמליאל שנכנסו לכבול והמשיכו אנשי העיר לפניהם בצנורות יין ושמן, «Man darf Wein und Öl vor Bräutigamen und Bräuten durch Röhren fliessen lassen und es ist nicht als heidnischer Brauch anzusehen; es trug sich zu, dass die Söhne R. Gamaliels, Jehuda und Hillel, in Kabul ein־ zogen und die Stadtbewohner vor ihnen Wein und Öl durch Röhren fliessen Hessen.» Die Söhne des Patriarchen werden, wie trotz der Zusammenstellung anzunehmen ist, nicht etwa als Bräutigame auf die genannte Weise geehrt, denn das müsste wenigstens mit einem Worte angedeutet sein, sondern als die Söhne des religiösen Oberhauptes der Juden. Es dürfte sich demnach nicht um Symbole der Fruchtbarkeit handeln, die übrigens auch bei einem Bräutigam nur am Hochzeitstage, nicht aber bei einem Besuche in einem fremden Orte Sinn haben. Denn die beiden Brüder befinden sich auf der Reise durch Galiläa in Kabul (s. jer. Pessach. V., 30d, 14, b., 51a, Toss. Moed kat. II, 15. 16, p. 231, 16); ihre Heimat liegt ausserhalb dieses Landes, was mit Sicherheit daraus erhellt, dass sie durch ihre Handlungen bei den galiläischen Juden Anstoss er־ regen. Die ihnen bezeigte Ehre stellt keinen rein jüdischen Brauch dar, sondern offenbar einen allgemein palästinischen, da die angeführte Bestimmung der Tossifta sie nur mit der Bemerkung für zulässig erklärt, dass sie nicht heid־ nisch sei. Der Brauch mag von der nichtjüdischen Bevölkerung Galiläas geübt worden sein und einen religiösen