Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Raschi und Maimuni
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Raschi und Maimuni. Inhaltes ebenso staunenswert ist, wie die klassische Ruhe und die methodische Klarheit der Darstellung. In Raschi und Maimuni sehen wir zwei Typen des jüdischen Gelehrten im Mittelalter. Der Eine entfernt sich nicht aus dem Bannkreise des Bethha-Midrasch, er bewohnt ständig — wie der alte Ausdruck lautet — die Zelte der Thora; dem andern gestatten es seine Beschäftigung und die Umstände seines Lebens nicht, sich von der Welt abzuschliessen; seine Lehrer und seine Freunde findet er auch ausserhalb der Grenzen der konfessionellen Gemeinschaft, er ist ein Glied jenes weiten Kulturkreises, in dem er heranwächst und in dem er sein Leben verbringt. Der Eine kennt nur das Schrifttum der Ahnen, die Bücher der Bibel und den Talmud als Gegenstand des Wissens und Forschens, in seiner Ideenwelt gibt es keine Stätte für die auf anderem Boden gewachsene Wissenschaft. Das Wissensstreben des Anderen kennt keine Schranken: was die menschliche Vernunft irgendwo und irgendwann mit richtigem Denken ergründet und erkannt hat, das nimmt er in seinen Geist auf; die Thesen der Philosophie wohnen in seiner Seele friedlich neben den Lehren der Offenbarung und der Tradition, er ehrt in Aristoteles ebenso seinen Meister, wie in den Propheten und Weisen Israels. Der Eine hält fest an derjenigen Form des Forschens und litterarischen Hervorbringens, die im Geistesleben der Judenheit heimisch geworden war, seit man in den Schulen Palästina^ die heilige Schrift zu lehren begonnen hat: er interpretiert; der Andere wendet die allgemeine anerkannte und geübte wissenschaftliche Methode auch auf die speziehe Wissenschaft des Judentums an: er systematisiert. Diese beiden Typen aber, die wir in Raschi und Maimuni erblicken, sind nichts anderes, als die Ergebnisse der beiden Richtungen, die sich in der Geschichte des mittelalterlichen Judentums mit unverkennbarer Deutlich-