Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Raschi und Maimuni
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Raschi und Maimuni. 7 führte Maimuni die Arbeit seines Lebens aus, als Rasch die seinige! Nur ein wahrer Weiser und ein von dem Berufe seines Daseins vollständig durchdrungener Geist konnte Werke, wie die MaimunFs es sind, während eines an Unruhe und Widrigkeiten des Geschickes so reichen Lebens ausführen, wie es das seinige war. ln seine Kind־ heit fällt die erste grosse Verfolgung, die seit der arabischen Eroberung die Juden auf der pyrenäischen Halbinsei heimsuchte. Als heranwachsender Jüngling verliess er mit seinem Vater Kordova, und die durch den Fanatismus der Almohaden heimatlos gewordene Familie suchte vergebens in verschiedenen Gegenden Spaniens eine neue Heimstätte. In Nordafrika hinderte derselbe Fanatismus die jüdischen Flüchtlinge an der offenen Ausübung ihrer Re־־ ligion. Endlich fand Maimuni im Alter von dreissig Jahren eine neue, bleibende Heimat in Aegypten, wo er anfangs Handel mit Edelsteinen trieb, dann als Arzt tätig war. Sein Ruf wuchs, aber damit vermehrten sich auch seine Berufspflichten. Er wurde Arzt des Vezirs, später Hofarzt des Sultans, gleichzeitig auch oberster Leiter der religiösen und Gemeinde-Angelegenheiten der ägyptischen Judenheit, wodurch seine der wissenschaftlichen und litterarischen Beschäftigunggewidmete freie Zeit auf ein äusserst geringes Mass beschränkt wurde. Auch langwieriges Siechthum quälte ihn. Zu dem Kampfe, den nach dem Tode Maimunis seine Schriften hervorriefen, zeigten sich schon zu seinen Lebzeiten einige Vorboten : er selbst sah sich gezwungen, einige seiner Lehrsätze gegen Missverständnisse und Verdächtigungen zu verteidigen. Und von allen diesen Widrigkeiten und Störungen keine Spur in seiner geistigen Individualität, keine Spur in seinen Schriften! Schon in seiner Jugend eignete er sich das ganze weltliche Wissen seiner Zeit an, zugleich mit der religiösen Wissenschaft des Judentums. Und in seinen reifen Jahren brachte er jene Litteraturwerke hervor, an denen der Reichtum des