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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 41

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-01-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 41 reges Wohlwollen zuwandte und grosse Stücke auf ihn hielt, ohne jedoch seine künftige Bedeutung zu ahnen. Indess füllten die rabbinischen Studien seinen Oeist nicht aus, ein unauslöschlicher Wissensdurst brach bei ihm durch und er verschlang jedes Buch, das ihm in die Hände fiel. Das waren freilich zunächst Ritterromane, wie sie damals in Schwung waren, unter denen namentlich der heute vergessene «Raspo von Felseneck» einen tiefen Eindruck auf ihn machte. Von einem Gönner zurechtgewiesen und mit geeigneterer Lektüre versorgt, las er mit grossem Wohlgefallen die erzählenden und moralischen Schriften von Campe und fiel zugleich über geschichtliche Bücher her, die ihn mächtig anzogen, studierte die kleine Weltgeschichte von Bredow, dann die grosse von Becker, und eine Lebensgeschichte Napoleons, wobei er kleinlaut sich gestehen musste, das Meiste nicht verstanden, zu haben. Bald begriff er die Notwendigkeit, sich die Kenntnis des Französischen und Lateinischen anzueignen. Ohne Lehrer, ohne Anleitung, ohne anderen Beirat, als den gleichgesinnter Genossen, nahm er sich die französische Grammatik von Meidinger und später die lateinische von Bröder vor, und lernte eben alles auswendig, was er darin vorfand. Er war überglücklich, als er die fremden Klassiker in ihrer eigenen Sprache zu lesen beginnen konnte, ln seinem Lerneifer liess er sich stets vom Zufall treiben; was dieser ihm in die Hand spielte, das ergriff er leidenschaftlich und sprungweise. Er stösst auf einen Euklid in irgend einer Uebersetzung, sofort macht er sich ungestüm über denselben her, so schwer es ihm auch wird, einen klaren Einblick in den Begriff und die Methode der Geometrie zu erlangen. Ein polnischer Wanderrabbi, der einen von ihm verfassten Hiobkommentar1) ausbietet, kommt ף Wahrscheinlich ספר איוב מן הכתובים von Simcha Ar je ben Efraim Fischei, Lemberg 1833.

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