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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 42

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-01-01
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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42 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. nach Wollstein und findet dort Beifall und Ehrung; Grund genug für den eifrigen, dabei höchst ehrgeizigen Talmudschüler, monatelang für nichts Anderes Interesse zu haben, als für Bibelexegese und hebräische Grammatik. Ein feines lebhaftes Naturgefühl, dessen Empfänglichkeit er sich bis ins späteste Alter bewahrt hat, überkommt ihn und er bietet alles auf, um sich mit der heimischen Flora, wie mit dem gestirnten Himmel vertraut zu machen. Eine wunderbar schnelle Fassungsgabe, ein glückliches Gedächtnis und ein weltverlorener Fleiss, dazu eine eiserne Körperkonstitution mit unverwüstlicher Arbeitskraft, der es nichts schadete, dass er an Essen, Trinken und Schlafen vergass, um auf ein vorgestecktes Ziel loszugehen, führte ihn schliesslich zum Erfolg. Trotz seiner Bedürfnislosigkeit hatte er immer wieder mit Mangel und Not zu kämpfen; er war eine stolze, unabhängige und eigentlich auch unpraktische Natur, dem ein übertriebenes Ehrgefühl selbst zu einer berechtigten Bitte den Mund schloss, ja der es vorzog, seine Sorgen vor Anderen zu verheimlichen und beispielsweise an manchem Sabbath, für welchen Tag man die Talmudschüler doch gerne reichlich versorgte, trockenes Brod zu essen und unbekümmert um Wind und Wetter mit ,einem Buch in der Tasche sich in's Freie hinauszuschleichen, um nur in seiner Hülflosigkeit nicht entdeckt zu werden, bis endlich der eine oder andere Freund doch dahinter kam und Wandel zu schaffen half. Er selbst, jederzeit sanguinisch gestimmt, suchte und fand in den Büchern seinen Trost (Fortsetzung folgt).

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