Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 5)
- Language
- German
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26 Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. und der theologisch gebildete asketische Dominikaner Vincente Ferrer, dessen Orden dann überall beim Kampfe gegen das Judentum erscheint, zur Seite. Die talmudische Belesenheit Geronimos und seiner getauften Genossen ermöglichte es, die Juden auf Grund ihrer eigenen Schriften anzugreifen. Mit Hilfe des Königs Fernando wurden imjahre 1413 die angesehensten jüdischen Gelehrten Aragons zu einer mehrmonatlichen Disputation in Tortosa versammelt, während zugleich der unheimlich faszinierende Fray Vincente durch die Predigt unter freiem Himmel grosse Erfolge bei der Masse der Juden errang. Zuerst suchten die judenchristlichen Disputatoren aus gewissen Haggaden des Talmuds den Nachweis für die Messianität Christi zu erbringen und da die jüdischen Gelehrten sich nicht zur Bekehrung bereit finden Hessen, wandte sich der Angriff, wie früher schon einmal in Frankreich1), gegen den Talmud selbst als das Bollwerk des Judentums. Am 11. Mai 1415 erliess Benedikt XIII. eine Bulle, die das Lesen des Talmuds und der dazu gehörigen Bücher wie auch einer Schmähschrift gegen Christus verbot und die Vernichtung der Bücher anbefahl. Sie ordnete auch an, dass alle Juden gezwungen werden sollten, dreimal im Jahre christlichen Predigten beizuwohnen. Die Bulle blieb auch nach der Absetzung Benedikts durch das Konstanzer Konzil für Spanien in Geltung. Das episkopale Basler Konzil knüpfte, vermutlich unter der Einwirkung getaufter spanischer Prälaten2), wieder unmittelbar bei den Bestimmungen des Konzils von Vienne und der Bulle Ben edikts XI1L an, indem es in seiner XIX. Session am 7. September 1434 ein Dekret über die Juden 0 L. Geiger, Johann Reuchlin, 235, 286. 2) H. Graetz, a. a. O. 184, glaubt die Hand der Söhne des Paulus de Santa Maria Gonsalvo und Alonso de Cartagena, der Abgesandten König Juans II., darin zu erkennen.