Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 15)
- Language
- German
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16 Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie. uns, noch um diese ganze Klasse der Convertiten, welche aus dem Gesichtspunkte der Statistik in eine symptomatisehe Gruppe zu ordnen sind; sondern an uns selbst haben wir die Frage zu richten: wie es kommen konnte, dass die Sittlichkeit unter uns so schlaff geworden; dass ihr unlöslicher Zusammenhang mit dem reinen jüdischen Monotheismus im Bewusstsein unserer Gebildeten, unserer Gelehrten selbst so verhängnissvoll gelockert wurde. Hiergegen soll unsere Anregung den Weg der Abhilfe zeigen. Wir sollen uns nicht des Bekenntnisses zu dem Gotte Israels, zu der Gottesidee Israels schämen. Wir sollen uns nicht der modernen Oberflächlichkeit hingeben, welche den Gottesbegriff überhaupt für einen alten überwundenen Aberglauben hält. Die genauere Bedeutung, welche wir von der jüdischen Gottesidee wieder zu gewinnen haben, soll uns zu der Einsicht bringen, dass man den Gottesbegriff nur in seinen speciellen Gestaltungen beurteilen darf. Wenn wir der jüdischen Glaubenslehre ein erneutes, verjüngtes Studium zuwenden werden, so wird sich die Ueberzeugung erwecken lassen, dass die jüdische Gottesidee in einem lebendigen Zusammenhänge mit der reinen wissenschaftlichen Ethik steht; dass die Ethik ein Torso bleibt, wenn der Gottesbegriff von ihr abgetrennt wird. Diese Einsicht zu begründen, ist Sache der Philosophie, der philosophischen Ethik. Das ist der grundsätzliche Fehler in den neueren Be- Strebungen der sogenannten Ethischen Kultur, mit denen man insofern sympathisiren zu können meint, als sie aus den verschiedensten Lagern die Menschen zusammenführen, und für das selbstverständlich Sittliche zu vereinigen suchen. Aber diese Selbstverständlichkeit ist schon die grosse Frage. Wie weit reicht diese Evidenz des Sittliehen? Giebt sie uns die ausreichenden Directiven für die