Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 16)
- Language
- German
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Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie.!7 Collisionen und Conflicte des politischen, des socialen Daseins? Wäre dies der Fall, so wäre dann allerdings die wissenschaftliche Ethik überflüssig. Sie könnte dann nur eine Casuistik schaffen, wo die menschliche Moral nur evidente Wahrheiten und unfehlbare Leitgedanken besitzt. Die Philosophie verlöre damit ihren Mittelpunkt; ihrem System würde das Herz herausgerissen. Daher kommt unsere Anregung auch der Philosophie zu Oute. Sie lehrt die Abkehr von dem selbstgefälligen Dilettantismus, der der schulmässigen Philosophie sich entschlagen zu dürfen glaubt. Ethik und Religionsphilosophie gehören für die Wissenschaft desjudentums zusammen. Die philosophische Ethik selbst kann der Religion entbehren; sie geht ihre eigenen selbständigen Wege. Aber die Religion muss ihre Glaubenslehre mit der Sittenlehre verbinden; nur dadurch erzeugt sie Religionsphilosophie; und dem Judentum ist dieser Weg durch seine ganze innere Geschichte, wie durch den reinen Inhalt der prophetischen Gottesidee vorgezeichnet. Nur sittliche Attri bute dürfen von Gottangenommen und unterschieden werden. So bestimmt es der Talmud; so lehrt und begründet es Maimonides. Von Gottes Wesen darf uns nur das interessiren, was wir für die Ethik brauchen. Diese Lehre des Maimonides hat in der Frührenaissance grossen Eindruck gemacht; auf sie beruft sich der erste wissenschaftliche deutsche Philosoph, der Cardinal Nicolaus von Cu es. Damit ist auch die Richtung im Einklang, durch welche Kant die protestantische Theologie vertieft hat, indem er sie als Ethiko-Theologie forderte; als Gotteslehre, gegründet auf Ethik; nicht umgekehrt. So sehen wir denn, dass es kein neuer Schwerpunkt ist, den wir gelegt wissen möchten; geschweige, dass es ein fremdartiger und ein der geistig-sittlichen Kultur entlegener, oder gar ihr widerstrebender wäre, dessen An- Monatsschrift, 48. Jahrgang2 .־