Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie. 3 ן Sittlichkeit. Die Immanenz fordert einen absoluten Grund. Dieser aber kann nicht, in einem Menschen liegen, von dem doch bei aller Göttlichkeit die empirische Relativität nicht völlig abgelöst werden kann. Nur in Gott, in dem aussermenschlichen Gott liegt der Grund der Sittlichkeit. Das Ideal eines Menschen, als eines Gottmenschen, ist unvereinbar mit dieser Transscendenz, welche daher auch den eigentlichen Sinn und die Bürgschaft der Einheit Gottes bildet. Das Judentum hat festgehalten an dem grossen Symbol, welches das Grab Mose in der Geschichte seiner Gründung bildet; es hat festgehalten an dem tiefen Worte, mit dem der Pentateuch das Wesen Moses zusammenfasst: »er war sehr bescheiden vor allen Menschen«. Die Keuschheit der Gottesverehrung, welche der Prophet bei der Verkündigung des Guten gefordert hat, ist das Sinnbild, das Vorbild des jüdischen Gottesdienstes geblieben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die protestantische Theologie auch zu diesem Jungbrunnen der prophetischen Gotteslehre sich zurückfinden wird. Es ist ja sehr begreiflich, dass es ihr schwer werden muss; denn hier gilt es, an den Heiligtümern der religiösen Pietät, welche Kunst und Poesie verherrlicht und verinnerlicht haben, strenge sittliche Kritik zu üben. Aber wenn doch die Gottheit Christi nicht mehr schlechthin als Glaubensartikel wissenschaftlich gilt, so kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Gestalt Jesu ihrer eximirten literarisehen Stellung entkleidet, und in Reih und Glied der Lehrer der Menschheit eingestellt wird, wie es die Aufrichtigkeit des 18. Jahrhunderts zu Wege gebracht hat. Und mit der literarischen Eximirtheit wird alsdann auch die sittliche Vorbildlichkeit ihre Einseitigkeit und ihre Gebundenheit abtun. Man wird nicht mehr für die Grundfragen der modernen sittlichen Kultur in dem Christusbilde mit seinen historischen Ungleichmässigkeiten den unfehlbaren