Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 11)
- Language
- German
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12 Die Errichtung von Lehrstühlen lür Ethik u. Religionsphilosophie. ausschliesslichen Inhalte dieSittlichkeitdes Menschen. Diese Ausschliesslichkeit des Inhalts kann, bei günstigster Interpretation, der christlichen Idee, nicht zugesprochen werden. Dort ist es vielmehr zugleich wenigstens die göttliche Natur, um die es sich handelt. Und da von der göttlichen Natur begreiflicherweise keine Wissenschaff zu erlangen ist, so müssen Complicationen dieser Glaubenslehre mit der Mythologie unausweichlich werden. Es giebt nur Eine Religion, welche von allen Zaubern der Mythologie sich grundsätzlich frei macht, das ist die Religion der Propheten, das ist die Religion des Judentums. Und der Schlüssel für dieses Geheimniss liegt in dem einfachen Gedanken, dass für den Propheten der Name Gottes schlechterdings nichts Anderes besagen und bedeuten soll als die Bürgschaft des Einzigen Gutes, nach dem sein Geist verlangt; das ist die Sittlichkeit. Alle Schrecken und alle wie immer tiefsinnigen Fragen, welche das Rätsel des mythischen Gottes flechten, für des Propheten Geist verlieren sie jedes Interesse. Was Gott selbst sein möge, das interessirt den Propheten nicht; die grossen mythischen Fragen des Schicksals treten zurück; die Seele des Menschen soll der Urheber seiner Geschicke werden. Die Seele des Menschen ist daher von Gott gegeben. Der menschlichen Seele wegen regiert und erschafft Gott die Welt Es kann nicht genug bewundert werden, das grosse schlichte Wort des Propheten: ser hat Dir verkündet, o Mensch, was gut ist«. Das ist der Sinn Gottes, zu sagen, was gut sei für den Menschen. Das ist der eigene, ewige Wert der jüdischen Gottesidee: dass sie keine Vermischung mit dem Menschen eingeht. Der Grund des Menschen, des sittlichen Menschen liegt in Gott. Darum kann Gott nicht zugleich Mensch sein. Die TransscendenzGottes ist die tiefste Sicherung der Immanenz der menschlichen