Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 9)
- Language
- German
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10 Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie. vermag denjenigen Orad der Lebendigkeit nicht zu sichern, dessen die Religion in einer modernen Kulturlage durchaus bedarf. Man kann sich durch eine einfache Betrachtung, die nicht principieller Natur ist, daher am leichtesten zugänglieh werden kann, von der Notwendigkeit überzeugen, dass der Sinn für die Dogmatik in unserem religiösen Wesen wieder erweckt werden muss. Daran kann doch wohl ernstlich nicht gezweifelt werden, dass gründliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Christentum, und zwar mit dem Protestantismus, nicht nur als Notwehr unvermeidlich ist; sondern dass sie auch für die Läuterung der religiösen Idee heilsam sein werde. Das bessere Verständniss, welches die neuere Zeit vom Prophetismus ergründet hat, wird von einem der ersten protestantischen Dogmatiker als ein Moment in der Entwickelung des Protestantismus bezeichnet, das er der Erneuerung des Glaubensbegriffs durch die Reformatoren an die Seite stellt. Allerdings ist diese sich nunmehr verbreitende Einsicht von dem Universalismus der Propheten das Verdienst der protestantischen Kathederwissenschaft, eine Frucht der Bibelkritik. Aber es ist keineswegs schon Alles für die Idee des Prophetismus getan, wenn endlich nun ihr Universalismus anerkannt ist. Der Gegensatz von Messianismus und Eschatologie muss auf dem Grunde dieser gewonnenen Einsicht von der lediglich geschiehtliehen Bedeutung der messianischen Idee in aller Schärfe ers t aufgestellt, und für alle Probleme der Religion durchgeführt werden. Das religiöse Bewusstsein, wie es sich in unserer modernen religiösen Literatur widerspiegelt, schwankt zwischen einer gewissen Naivetät und einem Wechsel sentimentaler Stimmungen von Depression zu Exaltation. Am besten fährt man dabei noch mit der Naivetät; sofern man von der