Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u, Re ligionsphilosophie. Q Fragen der allgemeinen Kultur muss die Fühlung mit der Philosophie lebendig erhalten werden. Selbst in der Mathematik und den Naturwissenschaften ist dies der Fall; und nicht minder auch in allen Geisteswissenschaften. Immer sind es die allgemeinen logischen und ethischen Probleme, mit denen die dogmatische Formulirung der wissenschaftlichen Grundbegriffe sich auseinanderzusetzen, sich zu verweben hat Ist es doch selbst in der Politik nicht anders; auch da sind es die letzten Fragen über die Bestimmung des Menschen im Staatsleben und im Völkerleben, welche den eigentlichen, den treibenden Grund der politischen Kämpfe bilden. Wer die politischen Ideen verstehen will, der muss sie miterleben, mitfühlen, mitdurchdenken und durchkämpfen״ Was die Politik im Allgemeinen für die Geschichte bedeutet, insofern man die Politik als angewandte Ethik betrachtet, daran kann man die Bedeutung der Philosophie für die Religion sich klar machen. Wenn anders die Religion den sittlichen Begriff des Menschen aus seinem Verhältniss zum Begriffe Gottes herzuleiten hat, so darf nichts Menschliches ihr fremd bleiben. Alle sittlichen Ideen der Weltgeschichte muss sie in ihren religiösen Ideen entdecken und wiedererkennen. So muss das lebendige Interesse für die Wahrheit und für die Tragkraft der Religion nach allen Richtungen der Kultur zur Dogmatik hintreiben. Die Dogmatik muss diesen innern Zusammenhang der alten Religion mit dem ewig jungen Leben der Kultur durchsichtig machen, und unerschütterlich befestigen. Ohne dieTransparenz der Kultur in ihr giebt es keine Kulturreligion. Und ohne die Dogmatik, welche diese Transparenz darstellt, kann es keine lebendige Religion geben. Der Kultus allein kann die Religion nicht vor Erstarrung schützen; und auch die geschichtliche Erforschung der einzelnen Religionsgebiete