Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 7)
- Language
- German
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8 Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religi onsphilosophie. keine Dogmen haben. Das aber ist ein sehr zweifelhafter Vorzug. Dogmen sind Lehrbegriffe; und wenn es einem Lehrgebäude an constructiven Lehrbegriffen gebricht, so entbehrt es des methodischen Fundamentes. Hier liegt der eigentliche Grund für die Benachteiligung, welche die Philosophie in der Wissenschaft des Judentums in neueren Zeiten erlitten hat. Die »Religions- Philosophie der Juden« von Samuel Hirsch ist 1842 erschienen. Und sie sollte nur der erste Band sein; als Gesammttitel war vorgedruckt: »das System der religiosei! Anschauung der J uden und sein Verhältnis zum Heidentum, Christentum und zur ab s 0־ luten Philosophie«. Das Jahr 1841 brachte von Form- Stecher das Werk, dessen Titel ebenfalls bedeutsam ist: »Die Religion des Geistes, eine Wissenschaftliehe Darstellung des Judentums nach seinem Charakter, Entwickelungsgange und Berufe in der Menschheit«. Das sind nicht bloss pomphafte Titel; sondern darin spricht sich ernsthaft und zielbewusst das philosophische Streben aus; während man heutzutage unter dem imitirten Ausdruck »das Wesen des Judentums« nicht mit methodischer Klarheit das Problem bestimmt. Die Philosophie des Judentums ist das Wesen des Judentums; und ohne Philosophie lässt sich dieses Wesen nicht fassen. Ob es möglich ist, das Wesen des Christentums ohne philosophische Sachkenntnis darzustellen und zu begründen, auf diese Frage wollen wir hier nicht eingehen. Um so klarer aber muss die Einsicht, und um so lebendiger und dringlicher das Interesse an ihr werden: dass die Fortentwickelung und der Fortbestand des Judentums durch seine philosophische Begründung bedingt ist. Populäre Beleuchtungen können ja ganz nützlich sein; aber sie dürfen niemals die gründliche wissenschaftliche Darstellung ersetzen. In allen